Mongolei Tour Part II

Am 5. Tag sollte also unsere große Tour starten. Wir wollten 2 Tage lang reiten, um schließlich bei einer Nomadenfamilie mit Rentieren, den Tsaatanen, anzukommen. Uns allen wurden Pferde zugeteilt und wir sollten uns auf die Sattel schwingen. Als wir sagten, dass nicht alle Reiterfahrung haben, hieß es, das sei kein Problem.

Für Philipp wurde es aber plötzlich doch zum Problem. Sei Pferd ging auf einmal durch, ritt los und die beiden, Pferd und Reiter, verließen unsere Gruppe. Die Pferde-Guides schauten Philipp und seinem Schimmel fassungslos hinterher. Wir alle riefen er soll straff die Zügel ziehen, aber nichts half. Das Pferd setzte zum Galopp an. Philipp, der vielleicht vor 15 Jahren mal auf einem Pferd saß, wusste überhaupt nicht mehr was er tun sollte. Seine einzigen Gedanken waren: ´Nur nicht zu weit in die Steigbügel gleiten … !´ Das war auch sein Glück. Denn zu allem Übel hatte er auch noch einen Rucksack auf dem Rücken, in welchem sich eine Glasflasche gefüllt mit Vodka befand. Wir hofften aus der Ferne nur, dass er bitte nicht herunterfallen sollte. Philipp war mittlerweile schon über 1 Kilometer entfernt. Die beiden Pferde-Guides holten ihn einfach nicht ein. Plötzlich sahen wir nur noch, dass das Pferd ohne Philipp weiterritt. Uns überkam ein fürchterlicher Schreck. Wie ist er gefallen? Hat er sich etwas gebrochen? Hoffentlich ist er auf keinen Stein gefallen!!! Und was war mit der Vodkaflasche!? Hoffentlich ist diese nicht zerbrochen und er ist in Glasscherben gefallen… . Fragen über Fragen überkamen uns. Und dann rappelte sich vom Erdboden ganz langsam ein kleines Frack auf. Philipp konnte auf jeden Fall stehen. Das war schon mal das Wichtigste. Er taumelte etwas vor sich her, aber konnte auf jeden Fall in unsere Richtung laufen. Die beiden Guides hatten mittlerweile auch seinen Schimmel eingefangen. Philipp wurde von einem Motorradfahrer aufgesammelt und kam zu uns zurück. Er humpelte vor Schmerzen, etwas Schlimmeres ist aber glücklicherweise nicht passiert. Philipp meinte zu uns: `Ich habe mich dann selbst fallen lassen, da ich einfach nicht mehr weiter wusste. An einer Stelle wo ich keine Steine sah, habe ich mich dann fallen lassen. Und an die Flasche musste ich auch die ganze Zeit denken. Deshalb habe ich versucht nicht auf den Rücken zu fallen.` Schließlich hatte Philipp ein paar größere Schirfwunden und Prellungen. Die Pferde-Guids tauschten schließlich die Pferde und das Packpferd wurde zu Philipps neuen Pferd. Wir wollten noch wissen, wie das passieren konnte, denn eigentlich hatte er nichts anderes gemacht als wir. Die Antwort kam sofort wie aus der Pistole geschossen: „Wir wollten ein großes Pferd für ihn. Dieses ist das größte was wir haben, aber es ist aus einer anderen Familie und wurde sehr lange nicht geritten. Das Pferd wollte also nach Hause und war es außerdem nicht mehr gewohnt einen Reiter auf sich sitzen zu haben.“ Philipp leicht angeschlagen schwang sich also auf sein neues Pferd und los ging es.

Der Ritt begann schließlich mit 10 Pferden: 5 Touristen, 1 Tour-Guide (Sonya), 2 Pferde-Guides und 2 Packpferden.

Wir ritten an besonders schönen Landschaften vorbei, durch Flüsse, Matschwiesen, Sümpfe, entlang an steilen Hängen und vielem mehr… .

Der Pferdetrip war unfassbar schön! Wir hatten unsere eigenen Pferde, inmitten einer unfassbar schönen Landschaft, einer Weite des Landes und umgeben von freilebenden Tieren.

So richtig kann ich gar nicht beschreiben wie schön das alles aussieht … .

Wir ritten also am ersten Tag ein Stück, zelteten dann in der freien Natur, ritten weiter.

Am 2. Reittag erreichten wir dann die Rentierfamilie.

Dies war er also unser Tag 6. Irgendwo im Nirgendwo standen wir mit 10 Pferden neben 5 Tippies und einer Nomadenfamilie.

Wir wurden sofort mit Milchtee und selbstgemachtem Brot begrüßt.

Wir fragten die Familie über das Leben abseits der übrigen Bevölkerung und die Wirtschaft mit den Rentieren aus. Sie lieben das Leben mit den Rentieren. Auch wenn es manchmal hart ist, möchten sie ihr Leben nicht eintauschen. Die Rentiere bestimmen den Tag der Familie.

Und plötzlich standen sie da. Eine Herde Rentiere. Etwa 50 Stück sollen es sein.

Prachtvoll präsentierten sie uns ihr Geweih.

Eines hatte sogar einen Sattel zum Reiten auf. Der neunjährige Sohn der Familie ritt dieses Rentier, um damit die Herde einzutreiben und nach Hause zu holen.

Wir schossen noch ein paar Fotos, richteten unser Tippi ein und dann war unser erster Tag auch schon vorbei.

Am nächsten Tag, also Tag 7, tauchten wir näher in das Leben der Nomaden ein.

Wir fragten die Familie, wie sie sich ernähren. „Wir nutzen alle Produkte von den Rentieren und etwa einmal im Monat müssen wir in die 30 km entfernte Stadt. Erst per Rentier, weiter per Pferd und dann am Ende nochmal per Motorrad. Dort holen wir dann Säckeweise Mehl, Zucker, Tee und Salz sowie alles andere was wir für den täglichen Bedarf benötigen.“

Zu den Geweihen der Rentiere erhielten wir folgende Infos: „Jeden Frühjahr fallen bei den Rentieren die Geweihe ab und neue, größere Geweihe wachsen empor. Die Geweihe der Jungtiere sind flauschig und mit Fell überzogen. Das Fell fällt bei den älteren Tieren bei ihrem letzten Geweih irgendwann ab. Das sieht dann sehr blutig aus, schmerzt aber nicht. Denn solange noch Fell an den Hörnern ist, ist das Horn durchblutet. Im laufe der Jahre verhärtet es und ist nicht mehr durchblutet.“

Wir beobachteten, dass die Tiere jeden Morgen gemolken werden, dann in den Wald gehen können, um die Mittagszeit wieder zu den Tippis zurück kommen und dann nochmal bis zum Abendbrot in den Wald zum Grasen gehen. Kommen die Rentiere zu den Tippis zurück, werden sie mit etwas Salz als Leckerli belohnt.

Wir fanden das Leben der Nomaden sehr interessant, können uns aber nicht vorstellen hier für immer zu leben. Es ist kalt, hart und selbstverständliche Hygienegewohnheiten oder Essgewohnheiten sowie die Vielfalt an Essen können hier nicht eingehalten werden. Somit kam bei uns die Frage auf, wie sich immer wieder neue Familien bilden und dabei aber doch noch die Reinheit des Blutes gewährt werden kann, d. h. keine Inzucht vollzogen wird. „Wir sind stets bemüht die Reinheit des Blutes zu gewähren. Unser Jahresablauf gestaltet sich so, dass wir verschiedene Plätze haben, an denen wir unsere Tippies aufstellen. Das heißt zu jeder Jahreszeit haben wir einen anderen Stellplatz. Dann müssen wir weiterziehen, weil es nicht mehr genug bzw. die richtige Nahrung für unsere Rentiere gibt.

Im Sommer kommen alle Rentierfamilien an einem Platz zusammen. Hier lernen sich oft die jungen Familienmitglieder kennen und neue Familien entstehen. Doch irgendwann muss auch neues Blut untergemischt werden. Dazu ist es notwendig, dass auch immer mal neue Familienmitglieder aus der „Außenwelt“ aufgenommen werden.“ Unser Guide Sonya erzählte uns hierzu eine Geschichte, welche wirklich geschehen sein soll: „Der Schamanismus ist bei den Rentierfamilien besonders stark ausgeprägt. Einmal hatten die Familien große Probleme die Blutreinheit aufrecht zu halten. Da hypnotisierte ein Schamane der Tasaan 2 Touristen, eine Japanerin und eine Amerikanerin. Diese wollten dann aufgrund der Hypnose bei den Nomaden bleiben und gründeten mit 2 Männern der Nomaden 2 neue Familien. So konnte die Blutreinheit gewährt werden und das Überleben dieser Bevölkerungsgruppe war gesichert.“ Wir haben leichte Zweifel, ob es wirklich Hypnose war, oder ob die beiden Damen sich nicht doch einfach in die Umgebung und die Männer verliebten. Aber die Worte gingen uns irgendwie nicht mehr aus dem Kopf.

Tagsüber gingen wir etwas in der Umgebung spazieren, probierten uns am Bogenschießen und halfen den Männern beim Holz holen und Holz hacken. Dies war mit den Rentieren schon etwas besonderes 😉 .

Der Abend verlief in einer schönen geselligen Runde. 14 Leute saßen in einem einzigen Tippi, einschließlich einem einjährigen Baby und wir spielten alle zusammen erst „UNO“ und dann „Nase“ (das ist ein mongolisches Kartenspiel, welches besonders viel Spaß macht und wir es auf jeden Fall zu Hause auch spielen werden!!!). Dazu wurde klassisch Vodka getrunken – natürlich wieder aus einem Becher.

Am 8. Reisetag durch die Mongolei blieben wir noch bis Mittag bei den Rentieren.

Wir übergaben noch ein paar Geschenke, was wir auf jeden Fall auch allen anderen die einmal hier her kommen wollen, empfehlen. Wir hatten für die Kinder Schreibsachen eingepackt, für die Eltern Anziehsachen und für die ganze Familie ein paar Süßigkeiten. Danach ritten wir wieder mit unseren 10 Pferden los. Der Weg führte wieder zurück durch den Wald, den Matsch und Sumpf, bis ein etwas besseres Landstück kam.

Die Pferde staken bis zu den Knien im Sumpf, wir waren bis zu den Schultern voll Matsch gespritzt. Es war einfach nur ein Abenteuer und ich würde es sofort wieder machen!

Weiter ging es entlang den Wiesen, bis wir ein schönes Plätzchen zum Zelten fanden.

Unsere beiden Pferde-Guides schliefen unter freiem Himmel, wir im Zelt. Da es Minusgrade draußen waren, schenkten wir den beiden Guides noch unsere Handschuhe und gaben ihnen ein paar Matratzen von uns. Wir lernten auf unserer Tour, dass hier halt einfach alles geteilt wird und sich stets umeinander gekümmert wird. So taten wir es ihnen gleich.

Der 9. Tag ging dann schon sehr zeitig los, denn wir wollten am Mittag schon unser Pferdecamp erreicht haben.

Dies schafften wir auch, wodurch wir einen etwas längeren Ritt hinter uns hatten.

Auf unserem Weg kamen wir vorbei an traditionellen Holzhäusern sowie sämtlichen Tieren.

Zum Mittag gab es dann die berühmte mongolische Hammelsuppe mit selbstgemachten Nudeln und Hammelfleisch. Natürlich durften wir auch wieder eine Schüssel Milchtee trinken.

Als wir fast fertig waren, bereitete die Frau der Pferde-Yurte über dem Ofen Innereien der Schafe vor. D. h. sie machte einen großen Topf mit heißem Wasser bereit und legte nacheinander verschiedene Innereien der Schafe in das kochende Wasser. Unser Tour-Guide Sonya erzählte uns, dass wenn die Familie etwas zu Essen kocht und man zu Besuch ist, muss gewartet werden, bis es fertig zubereitet  ist. Danach hat jeder Anwesende zu kosten, damit man nach ihrem Glauben auch viel Glück auf dem weiteren Reiseweg hat. Also warteten wir, bis auch diese Mahlzeit fertig gekocht war. Danach wurden alle Innereien aus dem Topf genommen, auf ein großes Tablett gelegt und zum Verzehr bereitgestellt. Die mongolischen Männer stürzten sich auf das Tablett, als ob es der Festbraten zu Weihnachten wäre. Aber auch wir mussten probieren. Philipp wagte sich an Herz und Leber heran, ich musst aber doch verweigern. Zur Auswahl standen noch solche Dine, wie Arterie, Lunge, Blut oder Magen. Nach diesem Festmahl ging es also weiter mit dem Auto. Der Abschied von den Pferde-Guides war etwas schwer, aber was muss das muss.

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