Krasnojarsk

 

Angekommen in Krasnojarsk versuchten wir zunächst ein Verkehrsmittel zu unserem Hostel ausfindig zu machen. Dies gestaltete sich schwerer, als gedacht. Denn einen Fahrplan der etwa 20 verschiedenen Busnummern gab es am Bahnhof nirgends zu finden. Andere wartende Leute wollten wir gern fragen, aber die waren auch alle nicht aus Krasnojarsk und kannten den Fahrplan leider ebenso nicht. Also entschieden wir uns dazu die Polizei im Bahnhof zu fragen.
Diese konnte uns einwandfrei helfen, war ausgesprochen nett und hat uns auch noch die Richtung gezeigt, wo unser Bus halten würde. Der Bus kam dann auch gleich angefahren, sammelte uns ein und die Kassiererin im Bus verlangte pro Person 22 Rubel von uns. Das sind umgerechnet derzeit etwa 32 Cent. In jedem Bus gibt es einen Busfahrer und eine Kassiererin bzw. einen Kassierer, welche rum gehen und das Fahrgeld einsammeln sowie Fahrscheine verteilen. Da die Busse bei dem ganzen Stau und dem durchaus verrückten Verkehr einen straffen Zeitplan einhalten müssen, kann sich der Busfahrer auch nur aufs Fahren konzentrieren und nicht noch Zeit mit Kassieren verbringen ?. An verschiedenen Haltestellen stehen dann Kontrolleure, welche mit der Stoppuhr kontrollieren, ob der Bus noch im Zeitplan ist. Verspätungen werden hier anscheinend nicht sonderlich geduldet. Wir fuhren ca. 30 Minuten und kamen in unserem 11 km vom Bahnhof entfernten Hostel an.
Wir hatten ein Zimmer mit Doppelbett, Gemeinschaftsbad und Küche für 14,5 € im „Art Hostel“. Alles ist sehr sauber und ordentlich eingerichtet. Von hier aus besuchten wir die Stadt Krasnojarsk, welche am Jenissei liegt. Die drei Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt sind auf dem 10-Rubelschein abgebildet, welcher aber leider Stück für Stück seit ein paar Jahren durch die 10-Rubelstücke abgelöst wird.

1. Wahrzeichen ist die Kommunale Brücke über den Jenissei. Diese sind wir abgelaufen und konnten so auch die Stadt betrachten. Das Ufer des Jenissei wird derzeit für Freizeitaktivitäten ausgebaut. Momentan kann man sich hier Boote ausleihen, Speedboot, Inliner und Fahrrad fahren sowie vieles mehr unternehmen. Doch künftig soll alles etwas nobler und sauberer werden.

An dem einen Ende der Kommunalen Brücke liegt das historische und ethnologische Museum Krasnojarsks. Dies ist ein absolutes Muss für alle Besucher! Hier kann man für 150 Rubel pro Person die Geschichte Russlands verfolgen, die Tierwelt Sibiriens bestaunen, Politische Aktivitäten der letzten 100 Jahre nachvollziehen und einiges mehr erleben. Am Jenissei liegt auch das kleine Schiff „Swjatitel Nikolai“, mit welchen Lenin vor seiner Zeit als erster Präsident Russlands nach Sibirien in die Zwangsarbeit verbannt wurde. Man sollte es sich zumindest auch von außen anschauen. Aber auch ein Eintritt für 50 Rubel pro Person ist gern gesehen.

2. Wahrzeichen ist die Kapelle Paraskewa-Pjatniza, welche auf einem kleinen Hügel über die Stadt ragt. Der Aufstieg ist schnell getan. Für die, die gut zu Fuß sind, ist der Aufstieg über die Wiese zu empfehlen. Hier fühlt man sich wie auf der Alm, überall wachsen kleine Gräser, unten am Fuße des Hügels sind Holzhäuschen und das Ziel ist nur ein kleines Bauwerk, welches aber doch seinen ganz eigenen Charme hat. Die Aussicht über die Stadt von hier oben verleiht uns einen ganz neuen Blickwinkel.

Wir erkennen nicht nur den Reichtum der Stadt, sondern auch, wie überall am Rande der Städte in Russland und vielen anderen Ländern, die Armut eines Großteils der Bevölkerung. Die Menschen wohnen in ihren Holzhäuschen, aber diese sehen von Nahem betrachtet nicht so idyllisch wie die in den Alpen aus. Sie sind oftmals alt, heruntergekommen, teils kaputt und dreckig. Die Wohnverhältnisse sind leider nicht gerade ein Segen. Hier oben auf dem Hügel werden gerade gen Stadt einige dieser Bauten niedergerissen und durch große Häuser im Backsteinstiel ersetzt. Hier oben werden in der nächsten Zeit sicher viele Villen und Prachtbauten entstehen. Bis sich das ganze Viertel aber verändert hat, wird es sicher noch ein Stück dauern und es lohnt sich einen Abstecher hier her zu wagen, denn diese Baustiele sind künftig wahrscheinlich zu aufwendig und unterm Strich aufgrund der vielen kleinen und schönen Holzornamente einfach zu teuer für die normale Bevölkerung.

3. Wahrzeichen ist der Krasnojarsker Stausee. Dieser liegt aber etwa 300 km von der Stadt entfernt und somit nur noch in der Region, aber nicht mehr in der Stadt Krasnojarsk. Diesen haben wir dann, obwohl er einer der größten der Erde ist, nicht begutachtet. Denn Führungen sind hier mittlerweile leider verboten.

Wir haben uns also die Stadt noch etwas angeschaut und müssen mit Erstaunen feststellen, dass hier überall gebaut wird. Soweit das Auge reicht, wird die Straße aufgehackt, Teer aufgetragen oder Pflastersteine verlegt. Wir fragen uns, ob das hier immer so ist, oder ob es nur eine Phase der Modernisierung ist. Wie lange die Baustellen denn sein werden, denn anders als oft in Deutschland zu sehen ist, arbeiten hier auf einer Baustelle permanent sichtbar etwa 20 bis 30 Leute. Die Arbeiter sehen wir, wenn wir früh 8:00 Uhr aus dem Fenster schauen oder abends 20:00 Uhr heim kommen (sicherlich sind es aber unterschiedliche Schichten). Die Arbeit für sie ist hart und anstrengend. Hier wird noch etwas mehr als in vielen anderen Ländern per Hand gemacht. Die Bauerbeiter klagen nicht und stehen nicht still. Uns erscheint es so, dass jeder froh ist hier Arbeit zu haben. Die Arbeiter wirken motiviert und bei der Sache. Viel gequatscht wird dabei nicht. Nur das ständige Rauchen fällt uns sehr auf. Das ganze verläuft dann in Fließbandarbeit. Einer gräbt den ganzen Tag, einer trägt die Erde weg, der nächste bringt die Steine und der letzte verlegt diese dann. Alles gleicht einem Schauspiel, dem man gern ein Stück zuschauen möchte.

Nachdem wir also die Stadt besichtigten, wollten wir am nächsten Tag das große Naturschutzgebiet „Stolby Nationalpark“ begehen, welches im Norden Krasnojarsk liegt. Wir stiegen in den Bus und fuhren 1,5 Stunden, um 25 km zu fahren… Der Bus war voll, wir schwitzten. Die Türen mussten teilweise beim Fahren auf bleiben, sodass etwas frische Luft zu den Fahrgästen strömte. Doch der Weg war es wert. Wir wanderten ca. 6 Stunden durch das Naturschutzgebiet, in welchem die Pflanzenwelt zwar so aussieht wie in unseren heimischen Wäldern, aber die Tierwelt doch etwas anders ist. Zuerst begrüßte uns ein freilaufendes Rebhuhn. Viele Vogelarten kamen ganz nah zu uns heran, weil diese schon deutlich die Touristen gewöhnt sind. Und als Highlight konnten wir frei lebende Streifenhörnchen füttern, welche auch ganz geduldig aus unserer Hand fraßen. Das war soooo niedlich! Die kleinen Füße auf unseren Händen fühlten sich so weich an. Das waren wunderbare Erlebnisse, wofür es sich auf jeden Fall lohnt eine Tüte Sonnenblumenkörner durch die Gegend zu schleppen, für den Fall die kleinen Nager zu entdecken – und von den kleinen Tierchen gibt es weiß Gott nicht wenige ?!

Ein paar Plakate schreckten mich noch ab, auf denen Braunbären, Moschustiere (ähnlich wie Rehe mit Vampirzähnen) und andere große Tiere hier im Wald abgebildet waren. Doch davon kreuzte glücklicherweise keines unseren Weg. Der Stolby Nationalpark ist bekannt für seine besonders tollen Felsformationen, welche meterweit in den Himmel ragen. Auf diese kann man super klettern und den Nationalpark sowie die Stadt betrachten. Ein Ausblick, der sich echt lohnt! Und das, obwohl ich nicht alle Felsen erklettern wollte, da mir die Gefahr ohne Seil 50 Meter hochzuklettern und dann vielleicht abzurutschen doch etwas zu groß war. An einem Ende oder auch Anfang des Nationalparks befindet sich ein Skigebiet, welches aber auch im Sommer als Spaßgebiet genutzt wird. Als wir hier mit Partymusik nach ca. 6 Stunden Wanderung empfangen wurden, stieg in uns die Freude und der Stolz den Weg geschafft zu haben sichtlich.
Man sollte auch in unseren heimischen Wäldern öfters mal die Natur genießen und einfach mal die elektronischen Geräte abschalten, die Seele baumeln lassen (wobei das bei mir, da ich ja sozusagen im Wald aufgewachsen bin ? ja bisher glücklicherweise zum Alltag eh dazu gehört hat…).

Am Abend genehmigten wir uns lecker Pelmeni und genossen es zu merken, dass wir sportlich aktiv waren.

Unser dritter Tag in Krasnojarsk war dann der Abreisetag. Es passierte nicht mehr viel, außer Sachen packen und warten, bis der Zug um 14:09 Uhr nach moskauer Zeit abfährt. Wir einigten uns 2 Stunden vor Zugabfahrt Richtung Bus zu laufen und zum Bahnhof zu fahren. Eigentlich genug Zeit – hätten wir nicht wieder mal Probleme mit der Zeitumstellung gehabt… Wir haben uns um eine Stunde vertan. Und der Zug fährt statt in zwei schon in einer Stunde ab. So ein Mist aber auch. Ob wir den Zug mit dem Bus jetzt pünktlich erreichen würden, ist nicht klar zu sagen. Also fragten wir lieber den Hostelbesitzer, ob er uns ein Taxi bestellen können. Es war alles kein Problem und in 5 Minuten stand ein Uber-Taxi vor unserer Tür. Für 224 Rubel, also etwa 3,25 € erreichten wir dann auch pünktlich unseren Zug. Kleiner Tipp am Rande: wer im Bahnhofsgebäude noch auf Toilette muss (in den Zügen kann man nämlich nur auf die Toilette, wenn er übers Land fährt – das sind hier Biotoiletten und das Geschäft fällt per Fußtritt direkt durch auf die Gleise), der kann gegen Vorlage seines Zugtickets kostenlos auf die Toiletten gehen. Ansonsten kostet es je nach Gegend aber auch nur etwa 20 Rubel. In Krasnojarsk merkt man an den Bahnhofstoiletten übrigens, dass es immer östlicher wird. Denn hier sind die Toiletten nicht mehr so, wie wir sie in weiten Teilen Europas kennen. Hier bestehen sie nur noch aus einer Keramik-Wanne, die im Fußboden eingemauert ist, damit nicht nur ein freigehacktes Loch im Boden ist. ?

Unsere Zugfahrt von Krasnojarsk aus ging schließlich Richtung Irkutsk, gelegen am Baikalsee. Zu erzählen gibt´s von dieser Fahrt nicht viel. Sie dauerte 19 Stunden, wir waren pünktlich wie immer und unsere Abteilungsnachbarin war eine Omi, welche die ganze Zeit Sudoku spielte – also wie zu Hause ?

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