Westcoast

Unser Weg führte vom Lake Tekapo aus zur Westküste. Es soll eine raue Gegend sein, in der von 9 % Landfläche weniger als 1 % der Neuseelander wohnen. Die meisten Touristen fahren hier die Pancake Rocks sowie die beiden Glasiere Fox und Franz Josef an. Wir aber hatten ja genug Zeit und wollten den kompletten Streifen von Haast bis nach Westport fahren.

In Haast angekommen war es schon recht spät und wir übernachteten hier erst einmal. Am nächsten Morgen dann stand ein 150 km langer Fahrweg auf unserem Plan, es ging direkt an der Küste entlang. Unser 1. Ziel war der Gillespies Beach, ein schwarzer Sandstrand mit Rimuwäldern. Der Strand liegt ein paar km vom Highway entfernt, wer aber Zeit hat kann den kurzen Abstecher ruhig einplanen. Die Wellen hier waren riesig, leider kommt es auf den Fotos gar nicht so rüber. Der schwarze Sand und die schwarzen Steine waren auch toll, ich persönlich liebe ja den schwarzen Sand! Das sieht irgendwie immer so unnormal und einzigartig aus – auch wenn es in Neuseeland wirklich viele schwarze Strände gibt.

Nach dem Strand ging es zum Fox Glacier. Der wunderschöne Eisstrom trägt den Namen des neuseeländischen Premierminister Sir William Fox, welcher den Gletscher 1872 einfach mal nach sich selbst benannte. Direkt am Gletscher gibt es einen Parkplatz und dann mussten wir nur etwa 10 min bis zum Ausblick auf den Gletscher laufen.

Das Blau der Eismassen schimmern im Wechsel mit einem leuchtenden Weiß. Es ist wirklich beeindruckend was die Natur hier geschaffen hat, denn nirgendwo anders in diesem Breitengrad reichen die Gletscher so nahe an die Küsten heran als beim Gletscher Fox und Franz Josef.

Dieses Wunder der Natur ist dem vielen Regen an der Westcoast zu verdanken. Herabfallender Schnee gefriert in 20 m Tiefe zu Eis. Diese Massen rutschen dann talabwärts. Und da die Gletscher so steil sind, rutscht das Eis schneller herunter als es schmilzt. Hier mal ein beeindruckendes Beispiel vom Franz Josef wie schnell der Gletscher nach unten wandert.
1943 zerschellte ein Flugzeug 3,5 km vor dem Gletschertor. Das Frack war nur 6,5 Jahre später am Ende der Zunge angekommen. Dies deutet auf eine Geschwindigkeit des Gletschers von 1,5 m pro Tag hin!!! Täglich bewegt sich der Gletscher um 1 m nach unten, an manchen Tagen sogar bis zu 5 m ! Das ist sage und schreibe 10 mal schneller als die Schweizer Alpen.


Ja und wie ihr es erahnen könnt, waren wir nach dem Fox Glacier auch beim Franz Josef Gletscher. Denn diese beiden Zwillingsgletscher sollen die Highlights im Westland Tai Poutini National Park darstellen. Beim „Big Franz“ angekommen veränderte sich allerdings das Wetter ziemlich ins Negative. Die Nebeldecke wurde immer dichter und Regen wurde angekündigt. Das passte ja perfekt. Vom Weg zurück kommende Leute fragten wir wie die Sicht sei und sie meinten es lohnt sich wahrscheinlich nicht mehr los zu laufen. Also entschieden wir uns kurzerhand den angeblich imposanteren der beiden Gletscher auszulassen. An unseren geliebten Mount Cook kommt ja wahrscheinlich eh nichts heran 😀 . Wir fuhren also weiter entlang der Küste und hofften auf besseres Wetter. Doch besser sollte es erst einmal nicht werden und so legten wir einen Stopp auf der Strecke ein.

Wir schliefen auf einem Campingplatz an der Westcoast und am nächsten Morgen ging es weiter zu dem Otira Viadukt, besser bekannt als Arthur´s Pass.

Dies ist ein bauwerkliches Wunder, auch wenn es auf den 1. Blick nicht so scheint. Es ist eine lange Brücke, welche in das bröcklige Sediment gebaut wurde und meterlang über das Tal führt. Diese Brücke erleichterte den Menschen die Strecke von der Westcoast bis nach Christchurch erheblich. Wir fuhren weiter in Richtung Christchurch und wollten hier auf dem Weg die Cave Stream besichtigen, eine Höhle an deren Ende ein Wasserfall plätschern soll. Dumm nur, dass in unserem Reiseführer nicht stand, dass man sehr nass wird, denn das wollten wir bei der Kälte nicht riskieren. An der Höhle angekommen bemerkten wir das wird wohl nichts mit unserer spartanisch Ausrüstung und auch andere mutige Kletterer kamen zurück und meinten das Wasser sei einfach zu kalt und die Strömung zu stark in der Höhle. So schauten wir uns nur den Eingang von der Ferne an und liefen gar nicht erst rein. Wir fuhren wieder zurück und unterwegs gab es noch ein kleines Fotoshooting auf der Straße 😀 .

Unser nächster Stopp waren die Devils Punchbowl Falls im Ort Arthur´s Pass. Ein kurzer Walk brachte uns zu den Wasserfällen.

Danach fuhren wir zu einer Glühwürmchenhöhle in Kumara, welche uns in ihren Bann gezogen hat. Es ist schon komisch, eigentlich hasst ja jeder Mücken, aber wenn sie ein Licht am Allerwertesten tragen, findet sie jeder magisch. Denn Glühwürmchen sind nichts anderes als Pelzmücken, welche ein Licht erzeugen um so kleine Insekten anzulocken, die dann als ihre Nahrung dienen. Die Pelzmücken spannen ein paar Seidenfäden vor ihrem Licht auf und die Insekten fliegen in das Netz und bleiben drinnen hängen. Die, die am meisten leuchten, sind übrigens die hungrigsten 😉 . Die Höhle mit den vielen kleinen Lichtern war auch unser Highlight an diesem Tag. Es war einfach so märchenhaft! Ein Wunder was die Natur alles so bereit hält!

Schließlich schliefen wir nahe Kumara, denn bei der Dunkelheit wollten wir nicht mehr weit fahren.

Unser nächster Tag begann bei den Pancake Rocks. Dies sind einzigartige Felsen, welche aussehen wie übereinander gestapelte Eierkuchen.

Es ist mit den beiden Gletschern Fox und Franz Josef die Hauptattraktion an der Westküste. Es ist auch wirklich beeindruckend wenn man mal genauer hin sieht und sich überlegt was die Natur hier geschaffen hat. Die Pancakerocks sind durch die Schichtverwitterung entstanden und das begann schon vor 30 Millionen Jahren! Meerestiere und Pflanzen lagerten sich auf dem Meeresboden ab. Der Druck versteinerte dann die Schichten. Dadurch entstanden harte und weiche Schichten aus Kalksedimenten und Tonmineralien. Der seismische Druck wiederum brachte dann das Gestein wieder an die Oberfläche. Aufgrund der Wetterbedingungen wurde das Gestein ebenso bearbeitet und die heutige Form der Pancake Rocks entstand.

Die Wassermassen, die zwischen den Felsen walten sind gewaltig. Hier kann es auch mal dazu kommen, dass etwa von dem Gestein abgetragen wird und einstürzt. Zwischen den Felsen entstehen dann durch die Wellen Spritzlöscher, bei denen man immer wieder stehen bleibt und auf die höchste Welle warten möchte 😀 .

Nach diesem fossilen Eindruck fuhren wir schließlich weiter zu unserer letzten Stadt an der Westküste, nach Westport. Doch diese Stadt hat uns nicht wirklich überzeugt, wir sind schnellstmöglich geflüchtet. Denn außer einer geschlossenen Brauerei, einem Dorf-Rugby-Match und geschlossenen Geschäften hatte der Ort nicht viel zu bieten. Unser Weg führte in den Norden der Südinsel, die letzten Tage auf diesem Erdteil Neuseelands waren gezählt.

 

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