Yangon

In Yangon mit dem Zug angekommen, suchten wir unser Hostel auf. Es liegt knapp 2 km vom Bahnhof weg und mitten in Chinatown. Das noch recht neue Little Monkey Hostel hieß uns in der ehemaligen Hauptstadt des Landes willkommen und bescherte uns einen wunderbaren Aufenthalt. Es war sehr sauber, die Leute sprachen sehr gut englisch, wir bekamen eine kostenlose Burmesischstunde und hatten viel Spaß. Wir entschieden uns 3 Nächte hier zu verweilen und zahlten pro Nacht zu zweit 31 €.

An unserem Anreisetag machten wir einen Ruhigen. Wir gingen nur etwas westlicher essen, um unsere Mägen nach dem ganzen Auf und Ab wieder an Essen zu gewöhnen. Doch mitten beim Essen fing es an zu regnen. Nicht nur ganz leicht, sondern wie aus Eimern. Wir waren fertig mit Essen und es regnete immer weiter. Auf der Straße stieg das Wasser an. Es hatte keine Möglichkeit mehr abzulaufen, die Kanäle waren anscheinend voll. Die Leute, die die Straße passieren mussten, standen knöchelhoch im Wasser. Wir waren froh im Trockenen zu sitzen und nicht durch diese Dreckbrühe zu müssen. Wir blickten auf eine Hausöffnung, in der nach und nach immer mehr sogenannte fliegende Händler einströmten. Das sind Verkäufer, die ihre Waren auf der Straße in kleinen Körben anbieten und nun bei dem Regen schnell ins Trockene mussten, da sie ja über ihren Verkaufsständen irgendwo auf der Straße keine Dächer über ihren Kopf hatten. Es war sehr lustig anzusehen, alle hatten mindestens einen Korb Mandarinen dabei und so nannten wir sie scherzhaft „Die Mandarinen-Maffia“.

In einem anderen Haus auf das wir blickten, fand auch ein kleines Kino statt. Ein junger Mann rastete vollkommen aus, warf erst einen Stuhl, dann einen Tisch und dann noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Fenster. Er schrie laut rum und knallte immer wieder seine Holzfensterläden zusammen. Den Grund bekamen wir leider nicht heraus, aber wir fühlten uns schon wie im Film.

Aber die Krönung sollte erst noch kommen. Denn wir bemerkten, dass sich die Bedienung unseres Restaurants an dem immer offenen Eingang des Restaurants befand und auf das steigende Wasser schaute. Eine stellte dann verschiedene Sachen in den Eingang, so als ob sie ihn absperren wollte. Ein anderer hielt ein Unterteil von einem großen Schirm in der Hand. Sie schauten konzentriert auf den Boden. Zack – der Mann mit dem Schirmständer schlug auf den Holzboden. Und plötzlich sahen wir auch warum. Sie versuchten eine Ratte davon abzuhalten in das Restaurant zu flüchten. Denn Ratten scheuen bekanntlich das Wasser und dadurch, dass die Kanalisation nun voll war, genauso wie alle Straßen, versuchte sie nach oben zu kommen und dem Wasser zu weichen. Es war ein etwa 5-minütigs Spektakel. Ich schrie, eine Bedienung stand auf dem Stuhl, eine andere flüchtete in den Hintergrund, selbst Philipp war nicht mehr ganz gelassen. Das Vieh war so schnell, es versuchte es echt an allen Lücken die noch da waren. Doch dann – zack! Der Mann mit dem Schirmständer hat sie erwischt, erschlagen und nochmal zugedrückt. Die müsste echt tot sein. Wir alle noch leicht angespannt wollten gar nicht wirklich hinschauen. Ein Mädel brachte ihm einen Beutel und Tücher und so konnte die Ratte mit einer Zange beseitigt werden. Was für eine Aufregung!

Das war echt ganz schön viel am ersten Tag in Yangon! Nach einem weiterem Bier zur Beruhigung wurde auch der Regen weniger und wir konnten nach etwa 2 Stunden unser Hostel wieder aufsuchen. Was für ein Tag!

An unserem 2. Tag in Yangon frühstückten wir erst ausgiebig, liefen dann gegen Mittag los zum Bahnhof und stiegen in den Circle Train ein.

Dies ist ein Zug, der in 3 Stunden einmal im Kreis um die Stadt fährt und eher für die Einheimischen als für die Touristen ist.

Und das macht die Fahrt so toll. Eine Tageskarte kostet 200 Kyat p. P. . Kontrolliert wird wegen des geringen Preises eher weniger. Aber genau deshalb und auch wegen dem so geringen Preis ist dies eines der Hauptverkehrsmittel der Einheimischen, um ihre Waren von A nach B zu transportieren.

Die Bauern außerhalb der Stadt bringen ihre Lebensmittel so in die Stadt, um sie dort zu verkaufen. Notwendige andere Dinge werden dann im Gegenzug wieder mit heim genommen. In dem Zug herrscht ein reges Treiben und es wird natürlich alles Mögliche verkauft. Früchte, Tabak, Wasser, Süßwaren, Eis – alle was das Herz begehrt kann ergattert werden. Auch ein Blick nach draußen ist natürlich sehr wichtig. Hier sieht man Bauern bei der Ernte in meterhohen Sümpfen, spielende Kinder oder andere interessante Schauspiele.

Die Touristen spielen dabei eine untergeordnete Rolle, sind aber gern gesehen und werden nett begrüßt. Wer hier mitfährt kann sich etwas Süßes oder ähnliches einstecken und dies unterwegs an arme Kinder bzw. arme Familien verteilen. Wir gaben einem Jungen etwas Essen und Trinken und er strahlte so sehr, dass wir gern allen etwas geschenkt hätten. Geld zu schenken ist immer so eine Sache… . Meistens bleibt das nicht bei den Kindern und sie haben gar nichts davon. Deshalb bevorzugen wir immer den Kindern gleich etwas für sich zu geben.

Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir also an unserem Startpunkt wieder an. Wir entschlossen uns an diesem Tag nur noch etwas shoppen zu gehen und die Stadt zu erkunden. Beispielsweise kann man aufgrund des hohen Jadeaufkommens in Myanmar sehr günstig Schmuck mit diesem Stein erwerben. Ebenso werden Gegenstände, verziert mit hier traditionell angewandter Lacktechnik angeboten, oder aber auch Regen-/ Sonnenschirme mit einem Bambusgestell. Aber Achtung, wer keine Ahnung von Jadesteinen hat, sollte sich lieber erst etwas kundig machen. Wer eine handgefertigte Lackschachtel oder einen Schirm haben möchte, sollte dies lieber dort kaufen, wo man sieht, dass es noch per Hand gemacht wird. Andernfalls ist es nämlich auch schnell möglich, dass man einen Fakestein oder ein Produkt von einer Maschine gemacht verkauft bekommt. So erging es uns nämlich auch, wobei wir zum Glück eh nur 6 € investierten, um uns erst einmal heranzutasten 😉 . Schnell geht es hier aber eher in die hunderte, gar tausende Euro bei den Steinen. Also Augen auf beim Souvenirkauf! 😉

Unser 3. Tag in Yangon startete mit einem Besuch in dem Nationalmuseum von Myanmar. Es kostete 5.000 Kyat pro Person, aber leider durfte kein Foto gemacht werden. Das Museum beherbergt ein paar besondere Schätze der letzten Könige und ihren Frauen, verschiede Gemälde, hochwertige Handwerksstücke, eine Buddhaausstellung, traditionelle Musikstücke und vieles mehr. Besonders beeindruckend war der etwa 7 Meter hohe Lion Throne (Löwenthron) der Könige Myanmars.

Leider ist nur noch einer von mehreren übrig, da alle anderen während des II. WK zerstört wurden. Umso mehr beeindruckt jetzt der eine Thron. Wir verbrachten etwa 2,5 Stunden hier und gingen nach der Besichtigung erst einmal entspannt etwas essen. Nach der Stärkung besuchten wir den People´s Park. Hier tummeln sich viele Pärchen, genießen die Zweisamkeit und die Sonne.

Von hier aus hatten wir auch einen besonders schönen Blick auf die Shwedagon Pagode, welche unser nächstes Ziel sein sollte.

Die Pagode ragt in komplett goldener Farbe weit über die Stadt und ist aus mehr Gold geschaffen, als die Bank von England besitzt.

Die Pagode umfasst eine weite Tempelanlage, welche der meistbesuchte Pilgerort in Yangon ist. Man wird fast geblendet von dem Strahlen und Funkeln der Pagode, von dem Areal allgemein. Auch hier verbrachten wir etwa 1,5 Stunden und schauten uns den Sonnenuntergang an. Die Pagode erscheint dadurch in einer besonders schönen und warmen Farbe.

Auf dem Areal lernten wir die Geschichte Buddhas kennen (er war eigentlich ein Prinz, welcher die Erleuchtung fand), sahen den Fußabdruck Buddhas (er erscheint in mehreren Gestalten, wie Schildkröte, Elefant usw. und dies wird in einem genähten Fußabdruck hier dargestellt) und beobachteten die Menschen beim Beten.

Ebenso begossen wir auch in der Sonntagsecke Buddha mit heiligem Wasser, weil wir an einem Sonntag geboren sind und auch glücklicherweise an einem Sonntag hier waren. Denn immer an dem jeweiligen Wochentag der gerade ist, strömen die Gläubigen, die an diesem Wochentag geboren wurden, zu dem Buddha mit dem entsprechenden Wochentag und begießen ihn mit heiligem Wasser.

Nach vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen fuhren wir dann mit dem Taxi für 2.500 Kyat wieder in das Hostel zurück, um die Neuheiten zu verarbeiten, zu entspannen und den Abend ausklingen zu lassen.

An unserem 4. Tag in Yangon passierte nicht viel, denn wir wollten mit dem Nachtbus weiterfahren, um an den Ngapali Beach zu gelangen. Dies soll der schönste Strand im Land sein und wir wollten ihn natürlich nicht missen 😉 . Also fuhren wir für 16.000 Kyat p. P. um 16:30 Uhr mit dem Bus in Yangon los und kamen am nächsten Morgen am Strand an. Die Fahrt war übrigens alles andere als angenehm, aber eher weil wir unsere Ohrenstöpsel vergaßen. Wir glauben die Leute im Bus waren alle taub, denn wir hörten in einer enormen Lautstärke burmesische Schlager, schauten TV-Shows und irgend einen burmesischen Film. Und das alles über den zentralen Fernseher vorne im Bus, über die Lautsprecher über jedem Sitz, in dröhnender Lautstärke. Was für ein Mist, dass unsere Ohrenstöpsel im großen Gepäck unten im Gepäckfach verstaut waren ;( .

Aber was solls, dafür kann Yangon nichts, denn dort war es echt wunderschön und einzigartig – im wahrsten Sinne des Wortes, denn so viele Miniläden, Straßenhändler und lustige Gefährte, die als Taxi durch die Gegend fahren, gibt es nicht mehr in so vielen Ländern 😉 !

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