Sagada

Nach unserm Shock in Manila wollten wir etwas Schönes sehen. Wir überlegten uns die über 2000 Jahre alten Reisfelder im Norden der Philippinen zu bestaunen. Mit einem Codaliner-Nachtbus starteten wir um 22:00 Uhr von Manila aus nach Bontoc. Bontoc ist zwischen Banaue und Sagada. Unser eigentliches Ziel war Sagada. Und so sind wir von Bontoc aus nochmal mit dem Jeepney 45 Minuten nach Sagada gefahren. Unsere Kulisse auf dem Weg war einmalig! Wir konnten bereits überall Reisfelder, wunderschöne Berglandschaften und viele Häuschen der Einheimischen sehen.

In Sagada angekommen liefen wir zu unserem Hostel. Es war im Tal des Ortes und auf dem Weg dorthin konnten wir bereits die Gegend erkunden. Es gibt viele kleine Läden, Restaurants, Souvenirgeschäfte, eine Touristeninformation und Hostels. Also ein typischer Urlaubsort, der aber doch nicht ganz so wirkt. Direkt vor unserem Hostel war auch eine Bäckerei. Hier werden jeden Tag die gleichen Brötchen mit 3 verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten: Rosinen, Schokolade oder Käse. Die Brötchen waren der Hammer! Ein Franzose brachte das Rezept hier her und hat nur wenigen aus dem Ort verraten wie die Brötchen gemacht werden. Alle hier lieben diesen Snack für 20 Pesus!

Wir entschieden uns unsere Sachen nur im Hostel abzustellen und gleich zu der ersten Attraktion zu laufen. Hier gibt es eine zu besteigende Tropfsteinhöhle, welche sehr abenteuerlich sein soll. Genau das Richtige für uns! So liefen wir etwa 30 Minuten zu der Sumaging Cave. Dort angekommen wurden wir sehr freundlich begrüßt, aber leider auch abgewiesen. Denn leider darf man in die Höhle

a) nur, wenn man sich vorher an der Touristeninformation registriert hat und eine Umweltsteuer gezahlt hat und

b) wenn man mit Guide hier her kommt und mit ihm zusammen in die Höhle geht. Alles andere sei nämlich zu gefährlich.

Beides verstanden wir zwar, aber wir waren schon etwas deprimiert, dass wir den Weg gelaufen sind und jetzt nicht herein können ☹ . Naja, hilft ja nichts, wir liefen zurück in den Ort. Wir entschieden uns die nächste Attraktion, die hängenden Särge, anzusteuern. Nach 60 Minuten Laufweg waren wir auch hier angekommen. Hier galt dasselbe Spiel. Erst registrieren, dann Guide nehmen. Ok Ok, dachten wir uns, dann verlassen wir auch diese Attraktion und laufen nochmal zurück zur Touristeninformation, um alles zu organisieren. Hätten wir das nur mal eher gewusst 😀 .

Bei der Touristeninfo angekommen, zahlten wir die minimale Umweltsteuer, um uns registrieren zu können. Dies ist wirklich eine gute Methode, um etwas Geld zu sammeln, um die Natur so erhalten und wenn nötig unterstützen zu können. In der Touristeninformation erkundigten wir uns auch gleich mal wegen den möglichen Touren bei den hängenden Särgen. Wir wollten dort gleich alles sehen und entschieden uns noch mit 6 anderen Besuchern den Adventure Trail zu machen. Dies heißt man ist etwa 3 Stunden unterwegs, läuft 4 km und kann echt einiges sehen! Wir starteten an der Touristeninfo. Dann ging es an der neu restaurierten Kirche von Sagada vorbei, der Church of St. Mary the Virgin.

Schließlich kamen wir zu dem Eingang vom Echo Valley. Hier kommt man als erstes am Friedhof der Stadt vorbei. Vor einigen Gräbern waren kleine Feuerstellen, was hier in den Bergen etwas besonderes ist. Normalerweise hat man an den Gräbern Kerzen aufgestellt. Doch der Weg die Kerzen in die Berge zu bringen war oft zu lang und so gab es oftmals keine Kerzen. Ein Gedenklicht wollten die Bewohner aber dennoch entzünden, weshalb sie kleine Feuerhäufchen vor den Gräbern platzierten. Weiter ging unser Weg schließlich zu dem Echo Valley, wo wir unser Echo 5 mal schallen hören konnten. Und die Aussicht erst! Eine unbeschreiblich schöne Natur war das hier!

Dieses Tal ließen wir auch hinter uns und gelangen zu den hängenden Särgen, dem Hauptgrund unserer Tour. Die Einwohner hängen ihre Verstorbenen schon seit hunderten von Jahren an die Felswände.

Der Tod ist bei den Bergvölkern von Sagada die teuerste Etappe im Leben. 21 Rituale sind auf dem traditionellen Weg zu vollziehen, und die letzte Station ist das Begräbnis. So und warum hängen sie dann die Särge an die Wände? Ganz einfach, damit die wilden Tiere die Toten nicht anknabbern. Aber Achtung! Nur die guten Menschen haben ein Recht auf einen Platz an den Wänden. Die Bösen werden einfach unter den Baum gelegt oder bekommen in der heutigen Zeit ein Grab wie wir es kennen, unter der Erde. Das jüngste Grab auf dem Bild ist das blaue in der Mitte. Es stammt aus dem Jahr 2010. Die Familienmitglieder sind selbst verantwortlich die Särge ihrer angehörigen an den Wänden zu platzieren. Manche hängen auch den Stuhl mit auf, auf dem der Tote in einem der 21 Rituale gesessen hat.

Nach diesem Stopp der besonderen Art ging es für uns weiter. Langsam fing es auch an zu regnen und der Weg wurde matschig und rutschig – für uns natürlich kein Problem ? . Wir kamen noch an ein paar Stellen mit hängenden Särgen vorbei. Es ist der Wahnsinn was die Angehörigen hier leisten, um die Verstorbenen zu platzieren! Uns faszinierte neben diesen Taten auch die wundervolle umliegende Natur. Hier gibt es Farne so groß wie Bäume, Schlingpflanzen, Palmen und sogar Blätter welche als Regenschirm dienen können ? .

Nach geraumer Zeit kamen wir an einen Höhleneingang. Dies sollte für uns der Eingang zum Undergroundriver sein.

Hier gibt es einen riesigen Fluss durch einen Berg hindurch, an welchem wir nun entlang wandern wollten. Hier unten gab es kein Tageslicht, die Tour war Abenteuer pur! Wir liefen durch den Fluss, sprangen von Stein zu Stein und bestaunten wieder einmal Fledermäuse.

Wir watschelten bestimmt 20 Minuten durch den Berg, bis wir an einem anderen Ende wieder heraus kamen. Dies war natürlich eine tolle Fotokulisse!

Dem Fluss folgten wir noch etwas, wobei wir wieder mehrmals das Wasser überqueren mussten. Das hat uns echt so viel Spaß gemacht 😀 !

Am Ende kamen wir noch an einen kleinen aber feinen Wasserfall.

Wir machten auch hier wieder ein „Groupiiiiieee“, wie einer unserer Tour immer so schön zum Gruppenfoto sagte. Das war der Abschluss unserer Tour. Jetzt mussten wir nur noch ein paar Treppen zur Straße aufsteigen, um schließlich zurück zur Touristeninfo zu kommen, dort wo unsere Tour begann. Hier hat dann jeder seinen Anteil für den Guide bezahlt (insgesamt 1000 Pesus für die 3 Stunden Tour, also 125 Pesus p. P.). Normalerweise baut unser Guide Häuser. Aber 2 mal im Monat macht er auch Touren durch seine Heimat. „Eine willkommene Abwechslung“, meinte er. Damit endete auch schon unser Tag in Sagada. Wir wollten nur noch etwas essen und dann erschöpft ins Bett fallen.

Unser nächster Tag startete 4:00 Uhr. Denn da klingelte der Wecker, wir wollten den Sonnenaufgang bestaunen. Ich sagte zu Philipp: „Noch 5 Minuten. Aber mach doch schon mal das Licht an.“ Philipp machte das Licht an und ich saß im Bett vor Schreck! Genau an der Wand 1 Meter von meinen Füßen entfernt saß eine dicke fette tellergroße schwarze Spinne. Die war riesig! Wir haben beide noch nie so eine enorm große Spinne gesehen!

Als Philipp sie sah, saß auch er im Bett. Ich stand sofort auf und ging in die andere Ecke des Raumes. Philipp blieb mit angezogenen Beinen und Decke über den Beinen gespannt sitzen. Wir überlegten was wir nun machen sollten. Ja nicht zu schnell bewegen, nicht dass die sich auch noch bewegt! Philipp meinte: „ Erschlagen kann ich die nicht, die ist zu groß! Das schafft mein Schuh nie!“ Ok wir brauchten eine andere Idee. Erstmal alle Sachen zusammen packen und in unsere Backpacks verstauen. Keiner wollte sich zu sehr bewegen, in der Hoffnung die Spinne bewegt sich auch nicht. Als wir alles eingepackt hatten, wickelten wir schließlich unsere Backpacks in Bettlaken ein, damit die Spinne währen unserer Abwesenheit nicht in unsere Sachen kriecht. Denn wir wollten ja noch zu dem Sonnenaufgang und von unseren Gastgebern war sicher noch keiner wach. Also verstauten wir alles, wickelten alles ein und liefen los. 1 Stunde hieß es nun hauptsächlich bergauf zu laufen, bis wir pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Kiltepan standen.

Wow war das beeindruckend! Wir schauten über die Berge, über die Reisterrassen und alles war von Nebel umschlungen.

s war ein wunderschöner Cloud See, ein Naturspektakel was wir so bisher noch nicht gesehen haben. Wir waren so froh hier stehen zu können und diese Naturschönheit betrachten zu können.

Nach 2 Stunden ging es dann auch wieder zurück zum Hostel, die Spinne wartete auf uns. Ich war mir nicht sicher, ob ich die Spinne lieber sehen oder nicht sehen wollte. Einerseits war sie zu ekelhaft um sie nochmal zu sehen, andererseits könnte sie bei unseren Taschen sein wenn wir sie nicht sehen… . Tja Philipp hatte die ehrenvolle Aufgabe und durfte als erstes in den Raum und die Lage checken. Das Ungeheuer saß immer noch in seiner Ecke, genau an unserer Balkontür. Blöd nur, dass wir auf dem Balkon noch den Regenschirm hatten.

Wir holten also unsere Backpacks und ich holte den Hostelbesitzer. Ich sagte ihm er müsse uns mal helfen wegen einer Spinne und da bekam er schon einen Lachanfall. Haha … ? . Er öffnete dann ohne zu zögern die Balkontür, hielt seine Hand in Richtung Spinne und das Monster haute ab. Ich bekam meinen Schirm wieder und wir konnten weiter ziehen. Denn für uns stand noch eine Weiterreise nach Banaue an. Wir fuhren mit dem Codaliner wieder zurück zu der 2 Stunden entfernten Stadt Banaue und wurden direkt vor unserem Homestay herausgelassen. Perfekt, wir haben die Spinne überlebt, genossen einen hervorragenden Sonnenaufgang und kamen heile in Banaue an.

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