Der Norden Thailands

 

Am 27.10.2017 starteten wir also unsere Reise in den Norden Thailands. Früh um 8:30 Uhr, naja genauer gesagt 9:30 Uhr wenn man die Verspätung mit einberechnet, fuhr unser Zug für 641 Baht p. P. vom Bahnhof in BKK ab. 19:30 Uhr sollten wir in Chiang Mai ankommen, was wir nicht ganz schafften. Aber das ist nicht schlimm, denn unser Hostel rechnete schon mit einer Verspätung: „Dieser Zug ist immer etwas später dran als geplant.“ Unterwegs bekamen wir 4 Mahlzeiten inklusive Getränke serviert und wurden bestens von unserer Schaffnerin, unserer Reinemachfrau und unserem Fahrkartenkontrolleur versorgt (d. h. für 16 € p. P. fuhren wir 720 km, bekamen 4 Mahlzeiten und hatten für einen Waggon 3 mal Personal!). Es ist kein Wunder, dass hier so viele mitfahren, denn das Personal ist mehr als nur bemüht, dass sich die Fahrgäste wohlfühlen! So eine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft im Zug ist für uns neu … 😉 ! Der Zug hat zwar schon seine besten Jahre hinter sich, aber für eine abenteuerliche elfstündige Tour in den Norden Thailands ist er allemal ausreichend. Philipp starrte die ganze Zeit schon aus dem Fenster und bestaunte die immergrüne und hügelige Landschaft. Wir waren sehr froh dieses Mal eine Fahrt am Tag gebucht zu haben, sodass uns die Reisfelder und Bananenplantagen nicht entgingen.

Angekommen in Chiang Mai übernachteten wir eine Nacht im Hostel und liehen uns schließlich einen Roller für den nächsten Tag aus. Unsere Fahrt sollte auf dem Moped zu zweit nach Pai gehen. Das Gepäck blieb in Chiang Mai im Hostel und den Roller bekamen wir auch hier für 200 Baht pro Tag. Etwa 4 Stunden soll man mit dem Roller brauchen, um gemütlich die 762 Kurven durch die Berglandschaft nach Pai zu absolvieren. Und genau diese Zeit braucht man auch, um alles in Ruhe genießen zu können und kein Risiko einzugehen. Denn durch die Serpentinen sollen öfters Unfälle passieren und einen sahen wir auch auf unserer Strecke.
Pai ist ein kleiner Ort, in dem der Tourismus noch nicht sooo lange herrscht. Noch 2007 versuchte die Polizei hier jeglichen Tourismus zu unterdrücken bzw. zu kontrollieren. Wie schlimm das wirklich war, wissen wir leider nicht, sondern könnten nur von Erzählungen berichten, was wir an dieser Stelle aber lassen wollen, da wir dies selbst nicht miterlebten. Heute aber lebt ein großer Teil der Bevölkerung in Pai vom Tourismus. Der Ort wird durch einen Fluss getrennt. Die eine Hälfte beherbergt fast ausschließlich Hotels und Hostels. Hier ist es eher ruhiger und man kann etwas mehr die Natur genießen (hier kamen wir im Canary Guesthouse unter). Die andere Flussseite beheimatet die bekannte Touristenstraße „Walkingstreet“, viele Bars, Tattooläden, Souvenirgeschäfte, Hostels mit Partyatmosphäre und ist im Generellen eher auf Party ausgerichtet statt auf Entspannung. Beide Teile sind durch eine Bambusbrücke über den Fluss verbunden und versprühen ihren ganz eigenen Charme. Wir waren froh in dem ruhigeren Viertel zu sein, die Natur genieen zu können und abends am beleuchteten Fluss sitzen zu können. Zum Essen aber gingen wir klassisch durch die Walkingstreet und probierten alles, was neu für uns war.

So gab es beispielsweise Omelette im Bananenblattschiffchen, Kokosnussbällchen, Avocado Shake oder Naan mit getrocknetem .

Auch gönnten wir uns klassisch eine traditionelle Thai-Massage in einer Nebenstraße der Walkingstreet. Hier gibt es eine Massageschule, die uns diese so oft gelobte Massagekunst etwas näher brachte – vorzüglich!

An unserem Anreisetag in Pai erkundschafteten wir zunächst einmal nur den Ort. Mehr schafften wir an diesem Tag aufgrund der etwas anstrengenden Anfahrt nicht. Wir wollten uns etwas ausruhen und die Zeit genießen.

An unserem 2. Tag in Pai haben wir ein bisschen die Gegend rund um Pai abgefahren. Dabei besichtigten wir einen Tempel, besuchten den Wasserfall Mor Paeng, suchten die Hotsprings vergebens und schließlich sind wir durch das Chinese Village bei Pai gelaufen.

Höhepunkt des Tages war der Yun Lai Aussichtspunkt am Gipfel des Chinese Villages. Hier oben wird frischer Tee angebaut. Man kann den Bauern direkt bei der Bearbeitung der Felder und der Ernte zuschauen.

Der Eintritt zu diesem Aussichtspunkt kostet schlappe 20 Baht p. P. . Dafür bekamen wir kostenlos den Tee als Kostprobe, der direkt vor unseren Augen gepflückt wurde. Hier ist wirklich ein perfekter Ort, um seine Seele baumeln zu lassen und den Sonnenuntergang zu genießen. Ein absolutes Muss in jedem Paiurlaub 😉 !

Am nächsten Tag besichtigten wir die bekannte Bambusbrücke, die über die Reisfelder von Pai führt.

Diese etwa 1 km lange Bambusbrücke wurde direkt über Reisfelder gebaut und führt schließlich zu einem Tempel. Dies ist der perfekte Ort, um zu relaxen und die Natur zu genießen. Abgesehen davon kann man auch das Handwerk bestaunen, was zum Bau dieser außerordentlichen Brücke angewandt wurde.
Ein paar Meter von der Bambusbrücke entfernt befindet sich der Pam Bok Wasserfall. Dieser ist besonders toll zum Baden, ins Wasser springen und fast sogar zum schwimmen. Denn genau das taten die Besucher hier.

Nach einer kleinen Erfrischung gingen wir dann weiter zu einer Attraktion der besonderen Art. Denn nur etwa 500 Meter neben dem genannten Wasserfall bildete sich 2008 ein gewaltiger Erdspalt auf dem Land eines Kleinbauern. Am einem Morgen im Jahre 2008 wollte der Bauer zu seiner Anbaufläche, als er feststellen musste, dass das Land gespalten wurde. Jeglicher Landbetrieb wurde dadurch zerstört und die Existenz des Bauern stand auf dem Spiel.

Er überlegte etwas, was er nun machen sollte. Doch anstatt alles aufzugeben entschied er sich dazu den Erdspalt als Touristenattraktion umzugestalten. Er bereitete alles besucherfreundlich auf, baute ein paar Sitzmöglichkeiten und hing Hängematten auf. Um es den Besuchern besonders angenehm zu machen, beschriftete alle noch existierenden Bäumchen mit ihren Namen (d. h. welche Früchte es sind) und bereitete ein paar Getränke und Speisen aus den geernteten Früchten vor.

Jeder Besucher kann dann hier alles je nach Jahreszeit kosten. Bei uns gab es beispielsweise Hibiskuswein, Hibiskussaft, Hibiskusmarmelade, sauren Tamarind, getrocknete Bananenchips, Erdnüsse und gekochte Süßkartoffeln mit Salz. Für die Besichtigung und diese kleine Kost verlangt der Bauer kein Geld. Wer aber möchte kann eine kleine Spende dalassen. Natürlich lässt jeder, der etwas verspeißt, einen kleinen Obolus da und zahlt gern etwas mehr, als man wahrscheinlich in einem normalen Café gezahlt hätte. Auf diese Art und Weise kann der Bauer hier nun glücklich weiter arbeiten und für seine Familie sorgen.
Am Ende des Tages ging es für uns zum Weißen Buddha, dem Wat Pra Tat Moe Yen, welcher als Tempel auf dem Berg bekannt ist.

Hier oben kann man gegen 18:00 Uhr gemütlich den Sonnenuntergang betrachten oder sich von der Schönheit Buddhas beeindrucken lassen.

Unser letzter Tag in Pai, ebenso mein Geburtstag 😉 , startete mit der Entscheidung in welches Land wir als nächstes machen – nämlich Myanmar 😉 . Danach besuchten wir das Long Necked Village. Hier leben 3 Frau, welche die bekannten Ringe um den Hals tragen, um ihn zu strecken. Doch dies begeisterte uns gar nicht. Für 100 Baht p. P. bekommt man auf einem Areal von etwa 500 m² 3 Verkaufsstände mit immer den gleichen Artikeln und 3 Verkäuferinnen, welche den berühmten Halsschmuck tragen zu bieten. Normalerweise ist dieser Halsschmuck eine Tradition aus Myanmar, welche die Hälse verlängern soll. Doch hier wurde das ganze nicht mehr als Tradition, sondern als Touristenattraktion betrieben. Ebenso denken wir, dass das ganze eher Fake ist und die Damen den Halsschmuck jederzeit abnehmen können. Würden wir uns nochmal entscheiden können, würden wir das „Dorf“ nicht nochmal besuchen, denn die 3 Damen sahen auch alles andere als glücklich aus, was man besonders gut auf dem Foto sehen kann.

Nach diesem Reinfall ging es wieder mit dem Roller los. Zuerst besuchten wir die Memorial Bridge, welche im II. WK von japanischen Soldaten gebaut wurde, um Rüstungen und sonstiges nach Myanmar zu transportieren.

Danach besuchten wir den Pai Canyon.

Hier kann man wunderbar klettern und auch hier kann man den Sonnenuntergang genießen.

Aber ACHTUNG! Passt auf, dass ihr hier nirgends abrutscht. Wir mussten hier einem Besucher helfen, der abrutschte, den Canyon etwas herunterfiel und nun glücklicherweise nur seine Bänder im Knöchel gerissen hatte. Nach diesem Erlebnis und der kleinen Hilfestellung fuhren wir zurück ins Guesthouse, gönnten uns die eingangs erwähnte Thai-Massage, gingen etwas shoppen und aßen wieder Unmengen viel an den vielen tollen Essenständen 😉 .
Ein Sehr schöner Tag nahm sein Ende.

Übrigens, außer bei den erwähnten Eintrittsgeldern muss nirgendwo in Pai etwas als Eintritt gezahlt werden. Fast alle Attraktionen sind hier komplett kostenlos. Dies macht den Ort für viele Backpacker noch interessanter 😉 !

An unserem Abreisetag starteten wir gegen 11:00 Uhr wieder mit dem Roller. Auf unserem Weg wollten wir einen Geysir anschauen, welchen wir auf der Herfahrt sahen. Doch am Ticketschalter angekommen sahen wir, dass der Geysir 300 Baht p. P. kosten sollte, nur etwa 1 bis 2 Meter hoch spritzen sollte (nicht mal so hoch, wie Philipp groß ist) und das Areal sonst nicht viel mehr zu bieten hatte. Also fuhren wir zurück zur Hauptstraße und auf direktem Weg nach Chiang Mai.

 

Und bevor ihr hier weiter lest, ist hier unser Video von Pai auf VouTube. Ein MUST-SEE !!!

 

In Chiang Mai und von Chiang Mai aus hatten wir dann am nächsten Tag sehr viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen. Wir entschieden uns als erstes das Naturschutzgebiet Doi Inthanon zu besuchen. Dieses beheimatet den höchsten Berg Thailands, dessen Spitze 2565 m über dem Meeresspiegel liegt. Es ist ein Ausläufer des Himalaja Gebirges und Attraktion für viele Besucher – obwohl es hier oben für Thailand sehr kalt ist und die Aussicht nicht wirklich gut ist. Aber hier oben ist ein Königsgrab, welches von vielen Thailändern besucht wird.

Der Nationalpark umfasst einige wunderschöne Wasserfälle, Flussläufe und Ausblicke.

Leider sind wir etwas zu spät am Morgen gestartet, um alles anzuschauen. Allein schon vom Eingang des Nationalparks zur Spitze mussten wir 40 km mit dem Roller bergauf zurücklegen. Ja, mit dem Roller. Der Nationalpark ist komplett befahrbar. Wer also den höchsten Punkt Thailands erreichen möchte, muss keinen Schritt zu Fuß zurücklegen ;).

Am nächsten Tag war das Lichterfest in Chiang Mai schon voll im Gange. Also genauer gesagt waren es bei uns 2 Feste zur gleichen Zeit, das Loi Krathong und das Yee Peng. Diese beiden Feste fallen manchmal zusammen und sind manchmal an getrennten Tagen. Das ist ganz abhängig vom Vollmond. Beim Loi Krathong werden kleine selbstgebastelte Boote mit einer Kerze und Duftstäbchen in den Fluss gesetzt. Die Boote können aus den unterschiedlichsten Materialien sein, Hauptsache umweltfreundlich. So sahen wir Boote aus Eiswaffeln, Bananenbaumscheiben, Bambushälften und vielem mehr. Leider werden zu den umweltfreundlichen Materialien aber zunehmend schlecht biologisch abbaubare Materialien ergänzt.

Natürlich kauften auch wir ein selbstgebasteltes Boot aus Bestandteilen des Bananenbaums. Beim Yee Peng werden Lichter und Wünsche in den Himmel gesandt. Dazu werden Himmelslaternen beschriftet und entzündet.

Mit etwas Geduld steigen die Laternen dann in die Lüfte. Und wir waren sehr froh – wir mussten das Fest nicht allein feiern, sondern konnten das ganze mit unseren Freunden Viktoria und Christian genießen 😉 . Sie kamen genau an den Festtagen in Chang Mai an und wir wollten nun ein paar Tage gemeinsam verbringen. Natürlich hatten auch die beiden ein Boot in den Fluss gesetzt und eine Laterne aufsteigen lassen. Das ganze Fest ist wunderschön. Überall stehen Leute, die ihre Wünsche, Hoffnung und Träume entsenden, oder einfach nur die flimmernden Lichter genießen wollen. Die ganze Stadt ist voll mit Touristen und Einheimischen. Dieses Spektakel möchte sich keiner entgehen lassen. In jeder Gasse rund um den Fluss gab es Essensstände und kleine Stände, die Himmelslaternen, Boote und Schmuck verkauften. An jedem Hostel, auf jeder Stadtmauer, um jedes Restaurant waren kleine Lichter angezündet und verliehen dem Örtchen eine romantische Atmosphäre. Es war auf einmal ein ganz anderes Chiang Mai, als wir zuvor noch kannten.

Aber irgendwann musste auch dieser Tag ein Ende nehmen und wir gingen zurück in unser Hostel, von dessen Dachbalkon wir noch etwas die Himmelslaternen genossen.

Unser zweiter Tag mit Viktoria und Christian war ein Tempeltag.

Zwar schauten wir uns bereits am Tag zuvor ein paar Tempel in Chiang Mai schon an, aber ein Tag reicht bei weitem nicht aus.

Hier steht ein Tempel neben dem anderen und einer ist schöner und prachtvoller als der andere.

Man muss nicht weit laufen, um einen vollen Tag mit einer Tempeltour beschäftigt zu sein. Einem begegnen Buddhastatuen aus Holz oder aus Stein, mal wenn er sitzt, mal wenn er liegt, alles ist hier vorzufinden.

Im Phra That Chedi Luang hatten wir die Möglichkeit am Monk Chat teilzunehmen. Das heißt hier kann man Mönche alles fragen, was man schon immer mal über ihr Leben oder den Buddhismus wissen wollte.

Wir haben so beispielsweise erfahren, dass der Buddhismus für die Mönche hier (und vielleicht auch für viele andere Menschen) keine Religion, sondern eine Lebensweise ist.

Ebenso war für uns neu, dass die Mönche nie beten sondern immer („nur“) meditieren. Sie meditieren, um sich selbst besser kennen zu lernen, ihren Körper und Geist zu erkunden. Der Mönch erzählte uns noch etwas von seinem Leben, seinem Alltag und der Überzeugung warum er als Mönch lebt. Dieses Gespräch war für uns wirklich eine tolle Erfahrung, die wir nicht hätten missen möchten!

Am Abend schauten wir uns noch eine Parade anlässlich des Loi Krathong Festes an.

Hier nahmen unzählig viele Festwägen teil, die wunderschön geschmückt und verziert waren.

Alles glitzerte, funkelte und ein Wagen übertraf den anderen – mal ganz abgesehen von den prächtigen Kostümen, die die Teilnehmer trugen.

Unser letzter Tag in Chiang Mai sollte dann nochmal ein ganz besonderer werden. Wir entschlossen uns zu viert in das „Maerim Elephant Sanctuary“ zu fahren. Hier wird Elefanten geholfen, die in einem Ridingcamp waren, im Zirkus lebten oder anderen Strapazen ausgesetzt waren.

Da dies ein sehr wichtiges Thema für uns ist, möchten wir dem hier eine eigene Seite in unseren Reiseberichten widmen.

Das ganze könnt ihr hier einsehen und wer noch mehr von uns über den Tag oder das Camp wissen möchte, kann sich gern melden und wir verraten alles was wir wissen 😉 .

Nach dem Elephant Camp ging es für uns direkt zum Bahnhof von Chiang Mai und in der 3. Zugklasse ab nach Bangkok. Die 3. Klasse ist ein Highlight. Auf mit leichten Polstern überzogenen Holzbänken verbrachten wir dann unsere Nacht im Zug, bis wir 5:30 Uhr endlich total übermüdet den Bahnhof Bangkoks erreichten – ein Traum 😉 … .

 

Bangkok war nur eine Zwischenstation für uns, um Freunde zu treffen und Philipps Laptop wieder abzuholen. So starteten wir auch am Abend gegen 22:30 Uhr mit dem VIP Bus auf in Richtung Sukhothai. Diese Stadt liegt so gesehen zwischen Chiang Mai und Bangkok. Ja genau, wir sind die Nacht zuvor mit dem Zug bereits an Sukhothai vorbei gefahren 😉 … . Wir fuhren über Nacht in einem wirklich luxuriösen Bus, konnten fast liegen und bekamen auch noch etwas zu Essen. Was für ein Luxus für etwa 9 Euro auf rund 390 km.

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