Can Tho

 

Nachdem wir also schon in Chau Doc das Mekongdelta kennenlernen durften, wollten wir noch mehr davon sehen. So machten wir uns auf in das im Südosten gelegene Can Tho. Can Tho ist die größte Stadt im Mekongdelta und hat angeblich einiges zu bieten. Das wollten wir gern selbst herausfinden und buchten 2 Nächte hier.

Als wir am Anreisetag gegen Nachmittag ankamen, erkundeten wir uns sogleich was wir an dem angebrochenen Tag jetzt noch erleben können. Tendenziell spielt sich das Leben hier nämlich eher früh statt abends ab. Der Besitzer in unserem Hostel empfahl uns eine Night Food Tour. Wir waren skeptisch, aber nichts geht über gutes Essen! Bisher ist es uns in Vietnam schwer gefallen alles richtig zu probieren, da nicht jeder (gerade bei den Streetfoodständen) Englisch spricht. Doch dies sollte unsere Chance sein mehr von dem Essen hier probieren zu können.

Unser Tourguide hieß Phong und er wurde schließlich auch zu einem Freund statt nur zu einem Guide. Aber dazu später mehr ? . Unser Hotelbesitzer meinte diese Tour ist vollkommen kostenlos. Wir müssen nur das Essen des Guides bezahlen. Das macht vor allem uns Deutsche ja in der Regel eher skeptisch. Es gibt etwas kostenloses, das auch noch gut sein soll!? Ja, hier gibt es das! Phong hatte vorher schon viel gegessen und so belief sich unsere Rechnung für ihn auch nur auf 10.000 Dong, was umgerechnet 0,33 Cent sind. Für uns gab es 6 verschiedene Gerichte in 5 unterschiedlichen Restaurants und Streetfoodmärkten. Und auch das kostete fast nichts!

Doch wir haben heute nicht nur das vietnamesische Essen näher kennengelernt. Phong hat uns viel über Vietnam erzählt und beigebracht.

So zum Beispiel hat Vietnam viel mehr Einwohner als Deutschland, was wir gar nicht richtig glauben wollten – hier leben so viele Menschen auf engem Raum zusammen – das ist der Wahnsinn! Auch gab uns Phong ein ganz besonderes Geschenk. Er gab uns einen 200 Dong Schein aus seiner piggy bank. Das ist ein Schein, der wegen seines geringen Wertes nicht mehr genutzt wird. Wer einen Schein hat, der bekommt ganz viel Glück. Und deshalb überreichte uns Phong auch einen Schein. Philipp als kleiner Geldsammler war überglücklich. Aus jedem Land nehmen wir nämlich ein paar Groschen mit 😉  .

Tja und warum macht Phong die Touren kostenlos? Um sein Englisch zu verbessern und nichts zu vergessen. Natürlich haben wir ihm für diesen genialen Abend ein Trinkgeld gegeben, was in Vietnam oftmals mehr als nur angebracht ist und aufgrund der geringen Löhne auch dankbar entgegen genommen wird. Erwartet wird es allerdings nicht ?. Phong hat uns dann am Ende der Tour noch zu einer neuen Tour eingeladen, aber als Freund, nicht als Guide. Er wollte uns gern mehr von seiner Heimat zeigen und welche tollen Plätze es jenseits der Touristenattraktionen gibt. Er meinte wenn wir Zeit haben plant er einen ganzen Tag nur für uns ein, wir fahren etwas mit dem Roller durch die Gegend und er zeigt uns wundervolle Plätze. Bezahlen sollen wir ihm dafür aber nichts, denn es soll wie gesagt auf freundschaftlicher Basis sein. So haben wir uns gleich für übermorgen verabredet. Wir waren überwältigt wie nett er zu uns war! Wir sind sehr glücklich ihn kennengelernt zu haben ? ! Unser 1. Abend mit ihm war dann auch etwa gegen 22:00 Uhr zu Ende, denn Phong achtete darauf, dass wir nicht zu spät heim machen – am nächsten Tag sollte unsere bereits gebuchte Tour auf dem Mekongfluss schon seeehr früh beginnen.

Frühs um 04:30 Uhr klingelte dann also unser Wecker. Erstaunlicherweise waren wir wirklich fit. Keine großen Spuren von Müdigkeit, etwas komisch ?. 05:00 Uhr stand das Taxi pünktlich da, um uns abzuholen und zu unserem kleinen schnuckeligen Boot zu bringen. Also schipperten wir im Dunkeln auf dem Mekong entlang, immer in Richtung unseres ersten Floating Markets. Dies ist eine Art Großmarkt für Einheimische auf dem die Waren direkt vom Boot verkauft werden.

Es ist ein herrliches Schauspiel wenn man das wilde Treiben beobachtet! Unser Guide ÂN erklärte uns dabei wie das ganze eigentlich abläuft, dass hier eher große Mengen verkauft werden und wir dann auf dem nächsten schwimmenden Markt die Chance haben selbst etwas zu kaufen. An langen Masten wird die Ware angebunden was heute auf den Booten verkauft wird. So weis jeder schon bescheid ob er zu dem Boot fahren muss oder nicht.

7 Stunden schipperten wir heute insgesamt auf dem Mekong herum, um alles mögliche über das Leben hier kennen zu lernen.

Es ist ein Leben, welches wesentlich ruhiger abläuft als das auf den Straßen. Keine große Hektik, kein Gehupe und wenn man die kleinen Seitenarme entlang schippert, hat man eine herrliche Ruhe selbst in einer Großstadt mit 1,2 Mio. Menschen.

Wir fuhren ein Boot an, auf dem wir uns Banh Mi, die belegten Brötchen der Vietnamesen, kaufen konnten und eines wo wir Kaffee bekamen.

Nach dem großen Markt fuhren wir weiter zu einem etwas kleineren schwimmenden Markt. Hier kauften wir uns leckere Mangos und Drachenfrüchte. Danach ging es weiter durch kleinere Seitenströme des Flusses. Dort besuchten wir als erstes eine Fabrik, welche Reisnudeln herstellt. Ein recht einfaches Verfahren, was aber recht viel Zeit in Anspruch nimmt. Zuerst wird ein Gemisch aus Wasser, Reismehl, Weizenmehl und Salz hergestellt.

Dann wird unter einem gespannten Tuch oder Lederstück Wasser zum Kochen gebracht, sodass Wasserdampf aufsteigt. Auf dieses gespannte Stück wird nun der Teig ausgebreitet, bis er zu einem klebrigen Stück geworden ist.

Das Reisteigstück wird mit einer geflochtenen Rolle abgenommen, auf ein geflochtenes Rechteck gelegt, stundenlang in die Sonne gestellt und zum Schluss in kleine Stücke geschnitten, sodass die einzelnen Nudeln entstehen.

Die Familie fängt sehr früh mit arbeiten an und arbeitet bis in die Nacht hinein. Es ist sehr aufwändig, bringt aber für vietnamesische Verhältnisse angeblich viel Geld ein. Philipp haben hier aber wahrscheinlich die kleinen Welpen am besten gefallen ? .

Nach dieser Fabrik ging es für uns weiter zu einer Werkstatt, die nicht ganz typisch und vielleicht auch nicht so ganz legal ist. Denn hier wurden Schlangenhäute getrocknet, um Leder zu erhalten. Doch nicht nur das Leder wird verarbeitet. Die Gallen werden getrocknet und als Medizin genutzt (wenn wir das richtig verstanden haben gegen Nierensteine) und das Fleisch wird gegessen. Doch wie die Schlangen gehäutet werden, ist ein recht grausamer Prozess. Die Schlangen, hier sind es Anakondas, werden irgendwo gezüchtet und kommen dann hier zu der „Werkstatt“. Dann wird den Schlangen ein Schlag auf den Kopf verpasst, was sie aber nicht umbringt, sondern nur betäubt. Anschließend wird direkt hinter dem Kopf und vor dem After ein straffer Strick um die Schlange gebunden. Und was jetzt passiert ist das Schlimmste! Die Schlangen werden mittels eines Kompressors mit Luft vollgepumpt, kurz bevor sie platzen. Dann läuft ein Mitarbeit lange auf dem aufgeblasenen Schlangenkörper herum, um das Fleisch von der Haut zu lösen. Danach wird die Luft wieder abgelassen und die Schlange gehäutet. Ein nicht gerade schöner Ort war das hier! Es hat fürchterlich gestunken, die Schlangenhäute waren mit Nägeln gespannt in der Sonne zum Trocknen und verwesten so vor sich hin. Die Gallen hingen schön aneinandergereiht in einer Kiste zum Trocknen und in kleinen Säcken lagen neue noch lebende Schlangen, welche heute noch aufgepumpt werden sollten. Da fragt man sich echt wer auf die Idee kommt so etwas als Kleidungsstück zu tragen oder wie sehr die Menschen diesen Job doch brauchen um überleben zu können, dass sie so etwas machen! Das Schlimme ist, für 1 Schlangenhaut gibt es für die Arbeiter hier nicht mal so viel Geld. Ab etwa 2.000.000 Dong soll es welche geben, was etwa 73 € sind. Und dafür diese unmenschliche Arbeit! Fotos durften wir hier allerdings nicht machen, aber diese wären auch nicht so schön sondern eher schrecklich gewesen… .

Nach dieser kleinen Entdeckungstour liefen wir ein paar Meter zu Fuß. Wir kamen vorbei an vielen Häusern von Vietnamesen, vielen vorher noch nie gesehenen Fruchtbäumen, an Feldern und anderen interessanten Stellen.

Dank unseres Guides bekamen wir auch ein paar Erklärungen zu der Landschaft, was echt Gold wert war! An einigen Stellen wären wir wahrscheinlich einfach vorbei gelaufen ? . Unser Ziel war schließlich ein Obstgarten, in welchem es nochmals neue Bäumchen und Früchte zu erkunden gab. Wir haben natürlich von allem ein paar Fotos gemacht und zeigen die hier auch gleich mal.

Vietnamesische Äpfel

Zuckerrohr

Drachenfrucht-Kaktus

Jack Fruit

Sternapfel

Sternfrucht

Ananas-Pflanze

Pfeffer-Busch

Papaya

Lotusblatt (absorbiert Wasser)

Pomelo

Wasserkokosnuss

Bei den Besitzern gab es dann noch ein kleines Mittagessen und dann ging es wieder ab ins Wasser, auf unser geliebtes Boot, mit unserer erstklassigen Bootsfahrerin.

Vorbei ging es wieder an den schwimmenden Märkten, bis wir wieder unseren Hafen erreichten. Nach etwa 7 Stunden war unsere Tour zu Ende. Pro Person zahlten wir 500.000 Dong, etwa 19 €, was es auf jeden Fall wert war. Normalerweise stehen wir nicht so auf geführte Touren. Aber ab und an gibt es geführte Touren, in denen man so viel sehen und erfahren kann, was man sonst verpassen würde. Und bisher hatten wir glück – unsere Touren waren immer ein voller Erfolg ? . Wir lernten viel über die verschiedenen Pflanzen hier im Mekongdelta und über die Lebensweise der Menschen kennen. Eine Tour, die wir trotz des frühen Aufstehens nicht missen wollen und absolut empfehlen können!


An dem restlichen Tag schliefen wir dann nur noch etwas und schauten schließlich nochmal in die Stadt, um uns etwas leckeres zu Essen zu holen. Das war´s dann auch, geschafft fielen wir ins Bett … .

An unserem dritten Tag in Can Tho stand dann unsere Tour mit Phong an. Er kündigte uns vorher an: „Wir werden riesige Lotusblätter sehen, die leckerste Nudelsuppe des Mekonggebietes essen, ein Flowervillage besuchen, Krokodile sehen und einen 700 Jahre alten Baum begutachten.“ Hört sich ein wenig nach einem Tourenprogramm an, doch es waren die Erklärungen unseres neu gewonnenen Freundes Phong, der uns früh um 07:30 Uhr zu einer Rollertour abholte, um uns die Umgebung und ein paar untouristischere Highlights zu zeigen. Wir schwangen uns also auf unseren Roller und fuhren den ganzen Tag mit ihm zu den verschiedensten Sehenswürdigkeiten um Can Tho herum. Es war eine wahnsinnig tolle Tour, die uns durch wunderschöne Landschaften führte und an Sehenswürdigkeiten vorbei, die wir ganz sicher außer Acht gelassen hätten. Phong entschuldigte sich sogar auf einer Fähre der Locals bei uns, weil uns die Locals so interessiert anschauten, da sie bisher noch nicht so viele Touristen gesehen haben. Vor allem keine blonden oder einen 1,98 m großen Riesen.

Als erstes auf unserer Tour steuerten wir ein Restaurant zum Nudelsuppe essen an. Das war unser Frühstück oder auch Mittag, oder beides. Für 10 Dong gab´s das hier alles.

So fuhren wir also zu einem Lotus Tempel bei dem riesige Blätter gezüchtet werden, auf denen man auch sitzen kann :D. Ich war natürlich Feuer und Flamme dafür und wollte auch mal probesitzen.

Allerdings muss man sagen, dass hier sicherheitshalber 2 Blätter übereinander gelegt wurden ;), da 1 Blatt nur ca. 50kg trägt. Und falls ein Blatt beschädigt wird, hält immer noch das andere Blatt. Die Vietnamesen sind übrigens so leicht, die setzen sich am liebsten als Pärchen hier drauf 😀 . „King Lotus“ ist übrigens der Spitzname dieser Pflanze und sie hat weltweit die größten Blätter zu bieten. Ein Blatt kann bis zu 3 Meter groß werden und laut einigen Versuchen bis maximal 80 kg halten. Manchmal aber auch weniger und deshalb wird sicherheitshalber von 50 kg ausgegangen. Der richtige Name der Pflanze lautet Victoria Amazonica und sie kommt ursprünglich, wer hätte es gedacht, aus Südamerika.

Nach dieser Attraktion der besonderen Art ging es zum Flower Village, dem größten Blumenexport Dorf von Südvietnam, bei dem sich hunderte Gärten aneinanderreihen.

Eine schöne Gegend, aber wenn man keine Pflanzen kaufen kann ist es gar nicht so toll wie wenn man mit einem vollen Kofferraum wieder heim fahren kann ? .

Hier gab es übrigens nicht nur Pflanzen sondern auch viele Fotokulissen, die uns viiiiel Spaß bereiteten!

In Phongs Heimatstadt besuchten wir dann eine Krokodilfarm mit hunderten von Krokodilen, die bis zu 4m groß waren (nahe dem Hafen Pha Vam Cong).

Anfangs haben wir gesagt das sind doch keine echten Krokodile, da sie sich keinen Millimeter bewegten. Doch nach und nach wurden unsere Augen immer größer. Es war schon etwas beängstigend.

Außer die ganz kleinen, die jagten uns keine Angst ein sondern sahen noch süß aus ? .


Danach stand noch eine Storchenstation, das Bang Lang Bird Sanctuary, auf dem Plan, wo mehr als 20.000 Störche leben.

Wir dachten erst das wäre künstlich angelegt und die Tiere werden hier gezüchtet, aber das ist alles natürlich entstanden. Es stinkt und ist laut, aber dennoch sehr interessant sich dieses Naturschauspiel anzuschauen!

In Myanmar ist uns so etwas ja auch schon mal begegnet und auch dort war es schon sehr interessant. Zum Verweilen lädt dieser Ort aber nicht ein, man muss nämlich sehr aufpassen, dass man nicht vollgekackt wird ? .

Zum Schluss wollten wir noch zu einen ganz besonderen Baum nahe Ba Láng fahren. Anfangs wollten wir den Baum auslassen, weil es ja nur ein Baum ist und wir rechtzeitig zum Hostel zurück wollten, da wir unseren Nachtbus für die Weiterreise bekommen mussten. Doch die Überraschung war riesig als wir ihn sahen. Es ist ein Ficus Baum, der bereits über 700 Jahre alt ist. Alle Äste und Wurzeln die ihr auf dem Bild seht, sind von einem einzigen Baum. Ein Areal, welches bestimmt 50×50 m groß war und von nur einem Baum eingenommen wird!

Nach dieser Station mussten wir dann aber leider doch wieder zurück zum Hostel, die Abreise bzw. Weiterreise nahte und damit auch der Abschied von Phong. Wir haben ihn in den 2 Tagen sehr lieb gewonnen, aber vielleicht sehen wir ihn ja mal wieder.

Es war ein wunderschöner Tag mit vielen Überraschungen. Solche Tage lieben wir: eine Tour, die keine Tour war sondern wo uns einfach nur die wunderschöne Gegend von Vietnam gezeigt wurde, gepaart mit vielen netten Leuten, unvergesslichen Momenten und gutem Essen.
Kurz vor 20:00 Uhr wurden wir dann auch abgeholt, unsere Nachtfahrt nach Da Lat begann und unsere tolle Zeit in Can Tho nahm ihr Ende.

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