Da Lat

 

Unsere vorerst letzte Station in Vietnam sollte die Stadt Da Lat sein. Da Lat ist ein noch recht junges Örtchen in den Bergen Vietnams. Das Fleckchen wurde in den 1890ern von den Franzosen entdeckt und sofort in ihr Herz geschlossen. Das Klima hier im Ort ist angenehm mild, was der Stadt den Beinahmen „Stadt des ewigen Frühlings“ gab. Da Lat wirkt aufgrund der damaligen französischen Besetzung auch heute noch eher europäisch und hat einige wunderschöne Häuser vorzuweisen. Auch steht der Ort derzeit nicht still. Überall werden neue Hotels , Resorts und Wohnhäuser aufgebaut. Es wirkt wie ein Erholungsort in der Schweiz, mit Seenlandschaft, Bergen, Golfplätzen und anderen Freizeitangeboten. Der Stadtkern allerdings ist etwas chaotischer, man fühlt sich hier doch eher wie in Vietnam – abgesehen davon, dass hier alle in dicken Winterklamotten rumrennen ? .

Nach Da Lat fuhren wir wieder mit dem Bus (Futa Bus heißt hier das führende Unternehmen). An der Busstation gab es wie gewöhnlich einen kostenlosen Shuttle zu unserem Hostel, was die Reise sehr angenehm machte. Unser Hostel war einfach, sauber, gut gelegen und hatte den nettesten Gastgeber überhaupt! Mir wurde sogar mein Gepäck auf das Zimmer getragen. Philipp sah stark genug aus, er musste seines selber tragen 😀 .

An unserem Anreisetag in Da Lat kamen wir schon früh gegen 06:30 Uhr im Hostel an und waren dementsprechend müde. Wir konnten sogleich einchecken und schon ein paar Stunden auf unserem Zimmer schlafen. Nach unserem Nickerchen gingen wir etwas in die Stadt, schauten uns die Gegend an. In der Stadt kann man einiges gutes Essen zu sich nehmen, egal ob traditionell vietnamesisch oder doch eher westlich. Mitten im Zentrum gibt es ein recht großes Gebäude, in dem alles mögliche gekauft werden kann. Die Atmosphäre erinnert an einen Großmarkt, es gibt Obst, Gemüse, Klamotten, Gewürze, alles was man halt so brauchen könnte. Wir spazierten an den Parks der Stadt entlang, machten ein paar Fotos mit der Kreisverkehrdekoration und liefen schließlich wieder zurück zum Hostel. An diesem Tag passierte nicht viel, wir bereiteten uns für die kommenden Tage vor ? .

Unser erster voller Tag in Da Lat startete gegen Mittag und wir holten uns als erstes einen Roller für 120.000 Dong für 24 Stunden. Mit dem Roller sind wir immer schön flexibel und schnell von A nach B gereist. Den ersten Roller den wir bekamen mussten wir wieder zurück geben, die Bremsen gingen kaum, die Taroanzeige war kaputt und auch so machte er einen recht schlechten Eindruck. Dann bekamen wir den 2. Roller. Er ging erst nicht an, dann aber doch irgendwie. Hier gingen die Bremsen nicht perfekt, aber besser. Nach etwas Fahrt bemerkten wir die Taroanzeige geht auch hier nicht… . Was soll´s, man kann sich ja an anderen Fahrern orientieren. Wir fuhren zu unserer ersten Station und mussten unterwegs nach dem Weg fragen. Als Philipp den Roller wieder starten wollte, machte er keinen Zucker. Nichts ging. Die Zündung blieb aus. Na toll. Was sollten wir denn nun machen – wir sind doch gerade erst los und hatten echt keine Lust den Roller jetzt zu schieben. Wir warteten etwas, probierten es etwa 1000 Mal und plötzlich ging die Zündung an ? . Wir waren happy, konnten endlich weiter fahren – zu unserer ersten Destination an diesem Tag, zu der Wiesel Kaffee Farm (ca. 15 Min. vom Stadtzentrum Da Lat). Was uns hier erwarten sollte wussten wir nicht, wir haben uns vorher auch keine Gedanken darum gemacht. Wir wussten nur, dass alle Touren in Da Lat hier her fahren und hier irgendwie Kaffee gemacht wird. Doch was wir dann sahen erstaunte uns! Die Wiesel sind nicht das Maskottchen des Unternehmens. Die Wiesel verhelfen den Bohnen zu ihrem Geschmack!

Hier angekommen wird man zunächst sehr freundlich auf Englisch begrüßt und man kann eine kleine Tour durch einen Teil der Kaffeefarm machen. Die Tour ist kostenlos und dauert etwa 10 Minuten. Dabei konnten wir alle Notwendigkeiten zur Herstellung für diesen besonderen Kaffee sehen, angefangen bei den Kaffeebäumen, über die Wiesel, die Bohnen nach der „Verarbeitung“ durch die Wiesel und zum Schluss den fertigen Kaffee nach der Röstung.

Wir erfuhren sehr viel zum Herstellungsprozess. So erfuhren wir, dass die Wiesel der entscheidende Teil bei der Kaffeeherstellung sind. Die Bohnen werden wenn sie reif sind (rote bis bräunliche Farbe) gepflückt. Dann bekommen diese die Wiesel zum Fressen. Denen schmeckt das Fruchtfleisch besonders gut, deshalb mögen sie diese Früchte. Die Kerne sind aber zu hart und können deshalb nicht zerkaut werden. Fazit: die Bohnen werden einzeln in ihrer uns bekannten Form von den Wieseln ausgeschieden. Die Mitarbeiter sammeln dann die Bohnen aus den Käfigen der Wiesel auf, säubern sie, trocknen sie und rösten die Bohnen schließlich. Durch den Darmtrakt der Wiesel erhält der Kaffee seinen einmaligen Geschmack, der auch sehr gut sein soll. Die Wiesel leben in Käfigen, die zwar recht clean und ungemütlich aussehen, aber wir denken die Wiesel haben dennoch ein gutes Leben. Auch wenn sie von den Menschen benutzt werden. Sind die Wiesel schwanger, werden sie von den anderen separiert, um sie zu schützen. Nach einer gewissen Zeit als „Bohnenverarbeiter“ werden die Wiesel wieder in die freie Natur gelassen. Die Wiesel haben während ihrer Zeit in der Kaffeefarm eine ausgewogene Ernährung. Im Erntemonat gibt es immer 1 Tag Kaffeefrüchte, 1 Tag Hühnchensuppe, 1 Tag Bananen. An erntefreien Tagen entfallen die Kaffeefrüchte. Da der Koffein erst nach der Röstung entsteht, sind die Bohnen für die Wiesel nicht schädlich. Im Gegenteil, das Fruchtfleisch ist schön süß und schmeckt den Wieseln sehr gut. Nach dieser kleinen Tour durch die Farm konnten wir zum Schluss noch einen Kaffee der besonderen Art mit einem schönen Ausblick probieren. 100 g werden für einen starken Kaffee oder 2 schwächere benötigt. Der Kaffee hier gehört zu den teuersten der Welt und kostet für diese 100 g 200.000 Dong, was etwa 7 € sind. 1 kg kostet dann etwa 700 – 800 €, je nach Umrechnungskurs … . Wir probierten den Kaffee dann aber doch nicht, denn Philipp mag keinen Kaffee und ich hatte Probleme mit meinen Magen, weshalb ich keine Experimente eingehen wollte. Die Kaffeefarm existiert nun seit etwa 5 Jahren und hat einiges dazu gelernt, um es den Wieseln angenehm zu gestalten. Da der Kaffee von der Ernte bis zum trinkfertigen Genuss etwa 10 Monate braucht, ist er auch vergleichsweise so teuer. Wir sind keine typischen Kaffeetrinker, fanden es hier aber sehr interessant. Für Kaffeeliebhaber ist es hier sicher ein Traum ? !

Nach dieser Tour fuhren wir weiter zu einer Pagode, der Linh-Phuoc Pagode.

Es war wieder mal, wie so oft auf unserer Tour in Südostasien ein Tempel, ABER diesmal ein besonderer!

Dieser Tempel sollte auf jeden Fall auf der Besuchsliste in Da Lat stehen. Wir haben nun schon viele Tempel gesehen, aber dieser ist etwas Besonderes. Die ganzen Wände sind aus Mosaik, welche aus Scherben sämtlicher Art, wie Schüsseln, Tellern, Bierflaschen oder anderem bestehen.

Nebenan werden auch sehr beeindruckende Holzfiguren geschnitzt und ebenso zum Verkauf angeboten. Wir haben natürlich auch etwas gekauft ?. Hier sieht man noch richtig was Handarbeit heißt und wie aufwändig eine kleine Holzfigur sein kann!

Am besten ist es diesen Tempel nicht zu spät zu besuchen, da kamen dann nämlich immer mehr Touristenbusse an. Wir sind ganz entspannt ohne Tour mit dem Motorroller hier her, was etwa 20 Minuten vom Da Lat Zentrum entfernt ist. Als wir unseren Roller wieder starteten, wollten wir nochmal bei dem Mann vorbei, bei dem wir die Holzarbeiten kauften, um ein Foto zu machen. Der Roller startete ohne Problem. Aber als wir dann nach dem Foto wieder losfahren wollten, ging unser Roller einfach nicht mehr an. Wir probierten es auch wieder ewige Male, aber es änderte sich nichts. Also entschieden wir uns eine Werkstatt aufzusuchen, irgendwie mussten wir hier ja wieder weg kommen. Die 1. Werkstatt hatte geschlossen und die 2. konnte uns dann aber doch helfen. Ein etwas wortkarger Typ Mitte 20 kam auf uns zu und wir zeigten ihm, dass der Roller nicht mehr startete. Er verstand uns und baute etwas an der Kiste dran rum. Erst wurde die Fußmatte abgenommen, eine kleine Luke im Fußraum freigelegt, die Batterie getestet, die vordere Abdeckung am Roller abgeschraubt, die Lichtmaschine getestet, dann der Sitz geöffnet, dort eine kleine Lucke freigelegt und die Sicherungen getestet. Nach etwas hin und her nahm unser Helfer in Not die kaputten Sicherungen raus, tauschte die Plätze der Sicherungen und das Moped ging wieder. Wir waren so happy! Wieder einmal wurde unser Motorrad repariert und wieder einmal machte es uns glücklich! Die 20 Minuten Arbeit sollten übrigens 10.000 Dong kosten, was etwa 30 Cent sind … . So etwas ist einfach für uns nicht verständlich, dass es so günstig ist! Ohne Trinkgeld getrauten wir uns da gar nicht loszufahren ? .

Nach diesem Erlebnis fuhren wir glücklich weiter zu dem Da Lat Flower Park.

Dies ist ein wunderschön angelegter Park mit unzählig vielen verschiedenen Blumen, tollen Fotomotiven und Freizeitangebote wie Reiten oder Tretboot fahren.

Die Kosten für den Eintritt belaufen sich derzeit auf 40.000 Dong für Erwachsene und 20.000 Dong für Kinder. Wir sind nur aus versehen zu dem Hintereingang rein gegangen, weil wir den Haupteingang nicht gesehen haben und mussten dann glücklicherweise gar nichts für den Eintritt zahlen 😀 . Der Park ist auf jeden Fall toll für Spaziergänge oder um die Seele baumeln zu lassen und hat viele Attraktionen zu bieten.

Nach dem Blumenland wollten wir noch eine Pagode besichtigen, die Linh Son Pagoda, doch da wir nach 17:00 Uhr ankamen, packten alle dort arbeitenden und lernenden Nonnen ihre Sachen und machten sich auf den Weg nach Hause. Für uns nur etwas merkwürdig war, dass vor dem Eingang der Pagode nicht mit dem Motorroller gefahren wurde, sondern dass sie abgestiegen sind, den Roller am Eingang vorbei schoben und dann weiter gefahren sind. Mit dem fortschreitenden Zeitalter und der Technik müssen anscheinend auch neue Regeln aufgestellt werden … ? .

Danach ging es für uns aber endlich heim, ab ins Bett und Kraft für den nächsten Tag tanken.

 

An unserem nächsten Tag stand eine etwas längere Fahrt auf dem Plan. Wir wollten zu dem Pongour Wasserfall, welcher der größte Vietnams sein soll. Die 40 km Rollerfahrt hat sich wirklich gelohnt! Der Wasserfall ist so beeindruckend! Er ist 2-Stufig, hat viel Wasser und bietet wunderbare Plätze um ihn zu bestaunen.

Der Eintritt beträgt derzeit pro Person 10.000 Dong, was etwa 35 ct sind und das ist für dieses Naturwunder wirklich gar nichts! Wir mussten etwas zum Wasserfall laufen, ein paar Treppenstufen steigen, und dann sahen wir das Wasserspiel. Natürlich hat Philipp seine Drohne hier fliegen lassen und ich habe in der Sonne relaxed ? . 

Nach diesem Highlight sind wir wieder Richtung Da Lat mit dem Motorrad gefahren. Hier auf unserem Weg machten wir Halt bei dem Elephant Waterfall. Dieser ist etwas touristischer und kostet deshalb auch 20.000 Dong, was ja nicht wirklich viel mehr ist. Der Abstieg zu dem Wasserfall ist nur was für Leute, die gut auf den Beinen sind. Die Treppen, wenn man das so nennen kann, sind sehr unterschiedlich, mit nur Steinen und ohne Kanten, teilweise rutschig und weit auseinander.

Die Aussicht dann aber ist auch wunderschön, auch wieder ein Highlight für sich. Auch wenn wir jetzt schon viele Wasserfälle gesehen haben, faszinieren sie uns immer wieder aufs neue!

Nur 2 Minuten Fahrtweg entfernt vom Wasserfall befindet sich eine Seidenfabrik, welche wir ebenso besichtigten. Für 10.000 Dong Eintritt kann man sehen wie die Seide gewonnen wird, wie sie gesponnen wird und schließlich wie die Verarbeitung mit den Strickmaschinen ist. Die Seide kommt von kleinen Raupen, welche sich in einen Kokon einspinnen, um zu Motten zu werden.

Wenn sie sich eingesponnen haben, werden die Kokons genommen und zu den Maschinen gebracht, um einen Faden daraus zu gewinnen. Die Kokons werden in warmes Wasser getaucht (die Waben kochen hier wahrscheinlich vor sich hin und sterben) und dann wird der Anfang des Fadens mit einem Stab herausgesucht. Das geht ganz schnell für alle Kokons gleichzeitig. Danach werden die dünnen Seidenfäden an die Spindeln gehalten und ganz viele einzelne Fäden werden zu einem dicken Faden zusammengesponnen. Die abgewickelten Kokons bzw. die Maden werden dann entsorgt.

Die fertigen Fäden kommen dann weiter zu den Strickmaschinen. Hier wird noch mit Lochmustern gestrickt, was echt interessant anzuschauen ist!

Als wir da waren, war gerade ein Fehler in der Maschine, was echt schwer, aufwändig und teuer ist zu korrigieren. Denn der Faden und der Stoff ist dann futsch … .

Am Ende der Besichtigung kann natürlich auch hier geshoppt werden, aber für uns hieß es wieder – alles was gekauft wird, muss auch transportiert werden und deshalb verzichteten wir leider mal wieder.

 

Nach diesem sehr interessanten Ausflug in die Fabrik fuhren wir zurück nach Da Lat. Dort wollten wir noch in die Truc Lam Zen Pagode, aber es war leider wieder nach 17:00 Uhr. Also fuhren wir weiter um den See herum, um uns den Sonnenuntergang anzuschauen. Wer hätte gedacht, dass es so kalt hier werden kann!? Ich habe mit Pulli und dicker Jacke gefroren! Ich glaube Deutschland im Winter wird hart wenn wir wieder heim kommen ? !

An unserem letzten Tag mit dem Moped fuhren wir gleich früh nochmal zu der Truc Lam Zen Pagode in der Hoffnung sie nun besichtigen zu können.

Perfekt – die Türen waren geöffnet und wir konnten eine sehr schöne Anlage mit vielen Bonsais und ein paar Mönchen sehen.

Schade nur, dass die schönsten Gebäude für Touristen unzugänglich waren ;( . Aber was soll´s, der Rest war auch sehr schön!

Weiter ging es für uns am See entlang, in Richtung Lavendel Garten. Der Lavendel ist aber leider im Januar noch geschlossen und der Eintritt zu einem Park mit geschlossenen Blüten zu hoch. Deshalb fuhren wir weiter, außer uns war hier auch keiner weiter, um die Gegend noch etwas zu erkunden. Die Berge und der See hier wirkten auf uns gar nicht vietnamesisch! Es ist eher wie im Urlaub in den Alpen. Und in der Tat haben sich hier auch schon die ersten Schweizer Resorts angesiedelt.

Auch hier wurden ein paar Drohnenbilder geschossen und dann ging es für uns auch schon zur Mopedabgabe.

Alles lief hervorragend, wir haben meinen Ausweis als Deposit wiederbekommen und konnten freudestrahlend unseren Weg gehen. Doch bevor es heim ging brauchten wir noch ein paar warme Sachen vom Markt in Da Lat. Hier gab es so tolle Sachen, dass wir uns dies und das gekauft haben. Mit vollen Beuteln ging es zurück zum Hostel.

 

Am nächsten Morgen sollte unser Bus zurück nach HCMC starten, für uns hieß es den letzten Abend genießen und dann tschau tschau Da Lat, tschau tschau Vietnam. Es waren wundervolle 14 Tage in Vietnam und wir wollen definitiv irgendwann mal noch den Norden besichtigen.

 

Also, Vietnam – see you!

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