Ho Chi Minh City (Saigon)

 

Ho Chi Minh City, oder bei vielen auch bekannt als Saigon, ist die größte Stadt Vietnams. Sie ist das Wirtschaftszentrum des Landes und gilt bei den meisten als eher modern und nicht so interessant für Touristen. Wir kamen hier am 02.01.2018 an und verbrachten 3 Nächte in der Stadt. Unserer Meinung nach ist dieser Ort verdammt abwechslungsreich, beeindruckend und einmalig zugleich.

Wir waren ja jetzt schon in mehreren südostasiatischen Städten. Aber wenn man hier auf die Straßen schaut, sieht man zunächst erst einmal nur Helme… .

So viele Mopeds wie hier herumfahren, gibt es selten!

In Südostasien ist das mit dem fahrbaren Untersatz eh ganz einfach geregelt. Solange man nicht größer als eine 4-köpfige Familie ist, reicht 1 Moped vollkommen für alle aus 😉 .

Ansonsten sieht man auf den Straßen hier ein Modegeschäft neben dem anderen und zwischendrin immer mal einen kleinen Essensstand. Bisher waren die Südostasiatischen Großstädte mit ihrer Technik auch immer ganz weit vorne dabei. Ich konnte da mit meinem Samsung Galaxy S3 Mini einpacken. Hier aber Ist ein altes Handy, wie das Nokia 3210 noch ganz groß 😀 . Obwohl hier einiges Ex- und Importiert wird, ist dies die erste Stadt, die nicht den gleichen Schrutz wie andere Städte aus China importiert hat. Wie es auch sein mag, für uns startete hier wieder eine neue Erkundungstour mit wieder neuen, noch nicht gesehenen Dingen und Attraktionen.

 

Am Flughafen angekommen erkundigten wir uns wie wir am besten in die Stadt kommen. Eine hier lebende Engländerin empfahl uns ein Taxi zu nehmen, das kostet nur etwa 60.000 Dong, also etwa 2 € und ist am schnellsten. Der erste Taxistand wollte 200.000 Dong haben. Wir gingen weiter. Der nächste Taxistand wollte 150.000 Dong und der dritte dann 400.000 Dong. Englisch sprach hier übrigens keiner so wirklich, also verhandeln war zwecklos. Wir wollten ein Grabtaxi bestellen. Nachdem wir 3 mal eines hatten und der Fahrer immer die Fahrt cancelte wenn er schon auf dem Parkplatz stand, fragten wir uns was hier los war. Dann bemerkten wir, dass eines der Autos schon die ganze Zeit vor uns stand und auf uns wartete. Wahrscheinlich cancelte er die Fahrt als er ankam, um sich das ganze Geld dann in die eigene Tasche zu stecken und nichts an Grab abgeben zu müssen. Ich fragte ihn was es nun bei ihm kostet, denn bei Grab hat es uns 70.000 Dong angezeigt. Er meinte 100.000 Dong und da wir nun schon lange genug warteten sagten wir ok (es ist ja immerhin kein Geld über das wir hier reden). Nach 8 km Fahrt kamen wir an und ich gab ihm das Geld. Da sagte er nein nein, pro Person möchte er 100.000 Dong haben, das sei bei Uber immer so. Wir machten ihm klar, dass wir per Grab bestellten, dass es vollkommener Quatsch ist das jetzt so auszulegen weil das nie so sei und er verstand plötzlich kein Englisch mehr. Am Anfang war er noch ganz nett, aber anscheinend versteht man dann hier einfach nichts mehr wenn man das nicht möchte. Wir blieben im Auto sitzen und „diskutierten“ mit ihm. Er erklärte uns, dass er ja ein schönes großes Auto habe, das mehr koste und blaaaa blaaa. Am Ende bezahlten wir 160.000 Dong, was zwar für uns kein Geld ist (5,5 €) aber es ging ums Prinzip. Also bemerkten wir gleich bei unserer ersten Aktion, dass das Geschäft hier ganz weit im Vordergrund steht. Und genau das haben wir auch gelesen, obwohl es in Nordvietnam angeblich viel schlimmer sein soll. Uns kamen noch ein paar solche Sachen in den 3 Tagen hier über den Weg, was uns zeigte, dass wir immer 3 mal nach dem Endpreis fragen müssen.

Aber wir wollen da mal nicht zu viel meckern, denn die Leute an den Straßenständen, im Park, in kleinen Gassen, waren alle so super nett zu uns, man konnte sich nicht verständigen, aber sie waren so froh uns zu sehen! Ein Polizist kam extra auf Philipp zu, hat ihm strahlend die Hand geschüttelt und uns überschwänglich gegrüßt. Es sah aus, als ob er lange auf Philipps Besuch gewartet hätte 😀 . Unser persönliches Fazit des Ganzen ist, wenn es ums Geschäft geht, muss man hier etwas aufpassen. Wenn man Leute auf der Straße trifft, sind diese total nett, hilfsbereit und irgendwie auch dankbar wenn man sie grüßt (die Vietnamesen sind nämlich oft scheu als erstes „Hallo“ zu sagen, warten aber die ganze Zeit mit großen Augen, dass wir als erstes etwas sagen. Also machen wir das ab jetzt ? ).

 

Unser Hostel lag in einem kleinen Gässchen, mitten in Saigon. Die Menschen hier verbringen ihren hauptsächlichen Tag auf der Straße. Sie sitzen nicht drinnen vor dem TV, sondern direkt vor ihrem Haus und schauen dem Treiben zu, erzählen mit Nachbarn oder bereiten sich etwas zu Essen zu. So ist immer Bewegung vor unserem Hostel gewesen und wir konnten dem Leben der Einheimischen zuschauen.

An unserem Anreisetag gingen wir noch eine klassische Nudelsuppe essen, wo es wieder eine Herausforderung für uns war den Kellnern klar zu machen, was wir wollen: „Alles bitte ohne Fisch und ohne Meeresfrüchte, eine Coke und einen Tee.“ Es ist jedes Mal aufs neue eine große Spannung, ob es verstanden wurde 😀 . Für die nächsten Tage haben wir einen Banh Mi Stand und einen Fruchtshake Stand ausfindig gemacht, die wir dann jeden Morgen besuchten 😉 . 

 

An unserem ersten vollen Tag in der Stadt liefen wir die Hauptsehenswürdigkeiten ab. Wir starteten unsere Tour ganz klassisch mit dem Kriegsmuseum in HCMC. Der Vietnamkrieg ist zwar nun schon lange her (Kriegsende 1975), aber seine Spuren sind dennoch überall im Land zu finden. Die Natur in Vietnam ist teilweise noch zerstört und einige Menschen sind von den Folgen gebrandmarkt. Das Kriegsmuseum zeigte uns, wie schrecklich die Zeit hier gewesen sein muss. Menschen wurden bis in den Tod misshandelt.

Neugeborene kamen mit undenkbaren Missbildungen aufgrund der von den Amerikanern eingesetzten chemischen Waffen zur Welt. Leute wurden zerbombt und von ihnen lagen schließlich nur noch Einzelteile auf dem Schlachtfeld.

Von all dem sind hier im Museum Reportagen, Bilder und Nachbildungen bzw. Fundstücke zu entdecken. Es war für uns unfassbar mit welchen menschenverachtenden Methoden die Vietnamesen hier gequält wurden. In Wunden wurde Zitronensaft gespritzt, Schädel wurden aufgeschnitten und dort langsam Wasser reingetropft, Gliedmaßen wurden Stück für Stück abgeschnitten und vieles Weitere. Die Bilder von den Menschen mit Fehlbildungen konnten wir uns teilweise gar nicht anschauen! Das war einfach zu grausam welchem Leid die Menschen ausgesetzt sein mussten und müssen. Überall sind Bilder mit flehenden Menschen zu sehen. Sie flehen darum am Leben bleiben zu können.

Schön war aber auch zu sehen, dass sich einige Menschen dennoch versucht haben ein normales Leben aufzubauen und beispielsweise einen Handwerksberuf erlernt haben, obwohl sie keine Arme haben und alles mit den Füßen machen müssen. Ebenso war es auch gut zu sehen, dass sich Barack Obama stark gemacht hat, um die Menschen mit Fehlbildungen, hervorgerufen durch die Taten der Amerikaner, zu unterstützen und ihnen versucht hat ein angenehmeres Leben zu ermöglichen. Man sieht, dass einige Politiker und natürlich unendlich viele andere Amerikaner die Taten bereuen und dafür gerade stehen wollen, was in der Geschichte passierte. Für mich war es besonders schlimm, als ich ein Junge gesehen habe, der ebenso wie ich 1993 geboren wurde und dessen Körper komplett verschoben und verformt war und ein normales Leben für ihn nicht möglich sein wird. Er ist 18 Jahre nach dem Kriegsende geboren und trägt jetzt noch die Folgen der Giftwaffenangriffe davon! Die Eindrücke des Museums mussten wir erst einmal verarbeiten und wir liefen etwas durch die Stadt. Da Vietnam einst französisch besetzt war, sind hier noch ein paar Kolonialbauten aus jener Zeit vorzufinden, welche alle schön restauriert sind und auf dem Plan einer jeden Stadttour stehen. Das Rathaus erstrahlt in einem wunderschönen Zuckerbäckerstil über die Stadt. Direkt davor steht eine Statue Ho Chi Minhs.

Die Oper ist heute eine beliebte Kulisse für Hochzeitsfotos.

 

Einige Hotelgebäude stammen auch noch aus der französischen Besetzungszeit. Die alte Post ist eines der Hauptattraktionen hier in der Stadt, wobei wir sagen müssen es ist „nur“ ein schönes Gebäude, welches gut erhalten wurde.

Architektonisch ist es natürlich beeindruckend, aber im Inneren gibt es nur noch eine existierende Poststelle sowie viele Souvenirstände (wo ich natürlich was gekauft habe 😀 ).

Der Wiedervereinigungsplatz sollte auch bei einem Stadtrundgang angesteuert werden, wobei wir nicht drinnen waren. Hinter dem Wiedervereinigungspalast gingen wir in einen Park, indem viel Sport getrieben wurde. Grundsätzlich machen die Menschen hier eh viel Sport. Sie treffen sich in Parks, spielen Badminton, gehen joggen, machen Klimmzüge, Gymnastik, Yoga, alles mögliche, um sich halt zu bewegen. Besonders cool fanden wir eine Truppe, die Foot-Badminton gespielt hat. Sie haben wie einen Federball mit dem Fuß übers Netz gespielt.

Das haben wir natürlich auch ausprobiert. Wir sind nun mit den Regeln vertraut und haben auch so einen „Federball“ gekauft. Unterwegs und später zu Hause wird nun Fuß-Badminton gespielt 😀 . Die Fußballmannschaft von Philipp kann sich schon mal auf ein neues Spiel freuen ? .

Nachdem wir etwas durch die Stadt liefen, wollten wir dann am Abend noch die Skyline von HCMC sehen. Dafür gingen wir auf die Dachterrasse eines Hotels, in die Saigon Saigon Bar. Dort konnten wir zu unschlagbaren Preisen ein leckeres Bier und ein Holunder Cider genießen und die Stadt betrachten.

Nachdem Philipp so begeistert von seinem Bier war, entschieden wir uns die Brauerei des Bieres aufzusuchen, die sollte nämlich auch gleich ums Eck sein (Pasteur Street Brewing Company). Das war dann unsere 2. Dachterrasse in Saigon, wo wir sogar wunderschöner Live-Musik lauschen durften. Ein perfekter Abend an einem perfekten Tag!

An unserem nächsten Tag entschieden wir uns die berühmten Cu Chi Tunnel nördlich von HCMC aufzusuchen. Diese sind die im Krieg genutzten Gänge unter der Erde, welche den Vietnamesen unbeschreiblich gute Wettbewerbsvorteile gegenüber den Amerikanern brachten und heute noch zum Teil erhalten sind. Nahe HCMC gibt es 2 Tunnelsysteme. Die eher von Touristen besuchten Ben Dinh Tunnel, welche aber angeblich vergrößert und verändert wurden, um es touristengerechter zu gestalten und die Ben Duoc Tunnel, welche weiter weg von Saigon liegen, aber nicht so überlaufen und noch so ursprünglich erhalten sein sollen. Wir entschieden uns die noch alt erhaltenen Ben Duoc Tunnel zu besuchen. Da es dorthin nicht wirklich Touren gibt, fuhren wir selbst mit dem öffentlichen Nahverkehr in die 70 km entfernte Anlage. Das ist zwar recht einfach und günstig, nimmt aber verdammt viel Zeit in Anspruch. Erst geht’s mit dem Bus Nr. 13 bis zur Endstation und dann mit dem Bus Nr. 79 weiter bis zu den Tunneln. Nach etwa 3 Stunden ist man dann auch endlich angekommen. Der Eintritt kostet 90.000 Dong p.P. (ca. 3,5€ ) und man sieht als erstes einen seeehr alten Film über den Krieg. Dann folgt die Begrüßung durch einen Guide, welcher mit einem durch die Tunnel geht und einem alles mögliche zeigt. Und dann gibt’s noch einen kleinen Snack, den die Soldaten hier damals aßen.

Die Tunnelführung ging wahnsinnig schnell. Man wird in einem Drillton von A nach B gescheucht, irgendwo mitten im Dschungel schiebt der Guide dann einen kleinen Haufen Laub beiseite und siehe da, dort drunter ist auf einmal der Eingang zu dem 250 km langen Tunnelsystem! Wahnsinn – wir hätten es genauso wie die Amerikaner damals im Krieg nicht entdeckt. Der Guide erklärte kurz: „Ihr geht jetzt da rein, kriecht den Gang entlang, links ist ein kleiner Raum wo ihr rein schauen könnt, mit Schießscharten, und dann geht´s weiter den Gang, dort nach rechts und da könnt ihr hoch klettern, die Luke öffnen und zu einem anderen Eingang wieder herauskommen. Zack Zack, einer nach dem anderen!“ Und dann ging’s auch schon los. Der Guide kommt nicht mit, man muss allein in den ersten Tunnel rein kriechen … ! So ganz ohne war das nicht. Ein Wunder, dass wir da überhaupt reingepasst haben. Schon nach dem ersten Gang merkt man, wie anstrengend das Leben in den Tunneln gewesen sein musste! Es war schon ein mulmiges Gefühl so unter der Erde ohne zu wissen was über uns abging! Dann ging es weiter in die nächsten Tunnelsysteme. Uns wurde gezeigt wo gekocht, operiert, geschossen und geschlafen wurde.

Alles ist mit kleinen Tunneln verbunden, gerade einmal so hoch, dass wir im Entengang kriechen konnten. Die Vietnamesen wussten ihre kleine Größe geschickt einzusetzen, um es eindringenden Amerikanern sehr schwer zu machen. Unser längster zu bewältigende Gang war 30 Meter am Stück lang. Für uns eine absolute Qual! Die Oberschenkel brannten, wir wollten nicht mehr weiter. Es war heiß, wir schwitzten, der Guide drängelte uns schneller zu machen. Unfassbar wir es wohl sein musste sich in den anderen Etagen weiter unten aufzuhalten!? Das ganze Tunnelsystem besteht hier nämlich aus 250 km, auf 3 Etagen, bis zu 8 Meter unter der Erde. Es wurden Fallen in die Gänge integriert, falls sich doch einmal eine Tunnelratte der Amerikaner hierein verirrte. Luftschachte wurden integriert, denn sonst würde die Luft hier unten zu wenig Sauerstoff aufweisen und die Soldaten wären gestorben. Für den Notfall, dass die Eingänge zerbombt werden, wurde ein Ausgang auch an einen nahegelegenen Wasserfall oder See gebaut, sodass man über das Wasser flüchten könnte. Es ist der Wahnsinn an was hier alles gedacht wurde! Wir bekamen eine Karte gezeigt, auf der die Systeme aufgezeichnet waren.

Nach unserer Tour durch die Tunnel wurden uns noch ein paar Fallen der Vietnamesen gezeigt. Die Amerikaner, die darin gefangen wurden, sollten an einem qualvollen Tod sterben. Eisennägel oder Bambusspitzen sollten ihre Körper durchdrängen. Fallklappen waren hierfür besonders beliebt.

Auch wenn unser Guide nicht besonders gut war, bleibt uns dieser Ausflug wohl immer in Erinnerung! Wir hatten 3 Tage lang Muskelkater in den Oberschenkeln und das Leben unter Tage ist alles andere als einfach! Hinzu kommt die ständige Angst vor Angriffen der Gegner und der Anblick von verletzten oder getöteten Kameraden, was sicherlich sehr traumatisierend wirken kann. Wir sind froh, dass diese Zeit nun vorbei ist und empfehlen jeden der hier ist eine Tunneltour mitzumachen! Die Eindrücke sind unglaublich prägend!

Wir fuhren danach wieder mit dem Bus zurück und kamen am späten Nachmittag wieder in HCMC an. (Der Bus hin und zurück hat für 2 Personen übrigens 52.000 Dong gekostet, was etwa 2 € sind.) Am Abend gingen wir noch etwas vietnamesisches essen und das war dann auch schon unsere Zeit in Ho Chi Minh City.

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